Autoren und E-Book Piraterie – Mein Ende des Schweigens

Im letzten Jahr gab es einige Themen, die unter uns Autoren für Unmut und Diskussionen gesorgt haben. Der Buchmarkt befindet sich im Umbruch und wir alle versuchen, unsere Köpfe über Wasser zu halten. Aber ein Thema setzt uns ganz besonders zu und stimmt uns hilflos: Die E-Book-Piraterie, unser hoffnungsloser Kampf gegen Internet-Piraten, die E-Books auf illegalen Plattformen hochladen und sie dort zum kostenlosen Download anbieten. Dabei brüsten sich die Piraten gern in Robin Hood Manier, die es den „reichen Verlagen“ nehmen und den armen Usern die „befreiten Bücher“ bereitstellen. Was sie uns Autoren damit antun, scheint niemanden zu kümmern: Die Uploader schon gar nicht und ebenso wenig die Leser, die das kostenlose Angebot ohne Wimpernzucken millionenfach in Anspruch nehmen.

Das Thema ist nicht neu, es schwelt schon lange, hat sich still und heimlich zu einem Buschbrand ausgeweitet und gleicht inzwischen einem Inferno. Und die ganze Zeit fragen wir Autoren uns vor allen eins: Sollen wir darüber reden? Oder halten wir besser den Mund?

Sollen wir darüber reden? Oder halten wir besser den Mund?

Viele Autoren – auch ich – hatten bislang Angst, etwas darüber zu schreiben. Nach außen zeigt ein Autor meistens seine Sonnenseiten: das neue Cover, die tolle Kritik, ein paar Zitate aus dem neuesten Werk. Aber was passiert mit denen, die es wagen, ein bisschen zu jammern? Die sich trauen, ein paar Worte aus dem Nähkästchen zu plaudern? Und wie reagieren die Leser darauf? Haben sie Verständnis? Oder stürzen die Trolle aus ihren Verstecken und fallen über uns her?
Ob ihr es glaubt oder nicht, aber wir Autoren haben Wochenlang und immer wieder darüber diskutiert, ob es etwas bringt, Artikel über E-Bookpiraterie zu schreiben oder Aktionen dagegen zu starten. Wenn ihr jetzt diesen Blogartikel lest, könnte es schließlich sein, dass ihr erst dadurch auf die Idee kommt, Bücher nicht mehr zu kaufen. Ihr könntet zu den wenigen Lesern gehören, die noch nie etwas von Piraterieplattformen gehört haben und die erst jetzt darauf gestoßen werden, wie toll es doch wäre, Bücher umsonst herunterzuladen.

Ja, über solche Überlegungen haben wir Autoren diskutiert, und wir waren hin und hergerissen, ob wir an das Gute oder das Schlechte im Menschen glauben sollen. Können wir euch moralisch davon überzeugen, eure Bücher in Zukunft wieder zu kaufen? Oder siegt euer „eigenes Portmonee“, dem ihr deutlich näher steht als dem eines fremden Autoren?

Ca. 6 Millionen Deutsche konsumieren illegale E-Books, Filme und Musik

Doch inzwischen ist das Kind wohl längst in den Brunnen gefallen. Ungefähr 6 Millionen Deutsche bekennen sich dazu, „kulturellen Kontent“ wie E-Books, Filme und Musik illegal herunterzuladen und nur noch selten zu kaufen. Nur eines von 10 E-Books wird gekauft, alle anderen sind geklaut.

Wenn es also inzwischen schon soweit ist, dann kann ich jetzt auch reden, oder nicht? Dann darf ich ein bisschen mein Leid (und das aller anderen Autoren) klagen. Klar, spätestens jetzt könntet ihr einfach aufhören, das hier zu lesen. Aber hey, was soll’s, ich schreibe es trotzdem, vielleicht liest es der ein oder andere ja doch .

Im Moment gibt es auf Facebook eine Initiative von Bloggern, die sehr betroffen sind von dem E-Book-Diebstahl und die einen „Flashmob“ organisieren wollen von Leuten, die E-Books kaufen, anstatt sie zu stehlen. Solche Aktionen und die positiven Reaktionen darauf lassen mich für den Moment ein bisschen hoffen. Solltet ihr Leser am Ende etwa doch noch „ehrliche“ Menschen sein? Dürfen wir Autoren an euch glauben?

Meine persönlichen Erfahrungen mit der E-Book-Piraterie

Auf jeden Fall hat mich diese Aktion ein wenig ermutigt, das Schweigen zu brechen, und ich möchte euch meine persönlichen Erfahrungen mit der E-Book-Piraterie nicht länger vorenthalten:

„Der geheime Name“ war Anfang 2013 mein erstes Buch, das nicht nur im Print sondern auch als E-Book erschienen ist. Bis dahin hatte ich zwar bereits davon gehört, dass man mit einem E-Book Gefahr läuft, bestohlen zu werden. Aber was das wirklich bedeutet, begriff ich pünktlich am Tag nach dem Erscheinungstermin. Aus irgendeinem Grund verzögerte sich die Auslieferung der Printausgabe um eine Woche, so dass „Der geheime Name“ am angekündigten Veröffentlichungstermin, dem 4. Januar 2013 nur als E-Book zu erwerben war. Neugierig wie ich war, verfolgte ich meinen Buchstart via Google und war baff erstaunt, als ich „Der geheime Name“ schon einen Tag später auf Platz 3 einer „Bestsellerliste“ fand.

Platz 3 der Bestsellerliste? Gleich am 2. Tag? Eine größere Freude kann man einer Autorin kaum machen. Doch die Seite, auf der diese Liste stand, wirkte dubios, und meiner ersten Freude folgte der Schrecken: Es war nicht etwa die Spiegel-Bestsellerliste … nein, es war die einer großen Piraterieplattform. Innerhalb von einem Tag ist mein Buch dort 5000 mal illegal und kostenlos heruntergeladen worden! Danach habe ich den Überblick verloren, weil es auch auf anderen Plattformen auftauchte, von denen nicht alle einen Klickzähler hatten.
Hätte es im gleichen Zeitraum genauso viele Verkäufe im Buchhandel gegeben, wäre mir ein Platz auf einer „richtigen“ Bestsellerliste sicher gewesen. Aber tatsächlich waren zu diesem Zeitpunkt bei Amazon gerade einmal 7 E-Books verkauft worden.

Wenn ich also heute, nach zwei Jahren, einmal meine tatsächlichen Verkaufszahlen nehme und sie mit den Diebstahlzahlen vergleiche, die sich zwar sehr schwer schätzen lassen, aber von denen ich zumindest ein paar einzelne Häppchen (wie diese 5000 ersten) kenne, – und wenn ich weiterhin davon ausgehe, dass sich nur die Leser meiner Bücher auf meinen Blog verirren und DAS HIER lesen, dann bin ich noch sehr optimistisch, wenn ich annehme, dass mich mindestens jeder zweite von euch bestohlen hat. Aber wenn ich mal die E-Book-Leser für sich nehme, hat wohl nur jeder 20. von euch eines meiner Bücher gekauft.

Aber ist das wirklich so? Seid IHR wirklich so?

Ich hoffe es nicht. Denn wenn man ein Buch schreibt, und sich Leser finden, die dieses Buch mögen, dann schafft das auf eine merkwürdig verquere Weise eine Verbindung zwischen uns. Auch, wenn ich wohl nur die wenigsten meiner Leser jemals persönlich kennenlernen werde, sorgt diese Verbindung dafür, dass ich meine Leser mag und es macht mich traurig, ausgerechnet von den Menschen betrogen zu werden, die meine Geschichten und meine Figuren genauso sehr lieben wie ich.

Ich nehme an, die meisten von euch werden sich ihre Rechtfertigung zurechtgelegt haben, unter der sie E-Books stehlen („Ich bin zu arm, um Bücher zu kaufen“, „Der Reader war schon so teuer“, „Warum müssen E-Books überhaupt so teuer sein, das sind doch nur Daten“). Aber mein Glauben in das „Gute im Menschen“ geht davon aus, dass viele von euch gar nicht wissen, was ihr mit eurem Diebstahl anrichtet. Deshalb möchte ich euch noch etwas erzählen:

Ein Buch muss schon ein Bestseller sein, um ein „normales“ Jahresgehalt einzubringen

Uns Autoren trifft dieser Diebstahl sehr, denn das Leben als Autor ist härter und schwieriger als die meisten Leser ahnen. Nehmen wir einmal die Autoren in großen Verlagen, also genau die Autoren, von denen alle Leser glauben, sie „hätten es geschafft“. Das übliche Honorar von einem Taschenbuch liegt zwischen 5 und 10% (nach Abzug der Mehrwertsteuer). Meistens eher bei 5 %. Das bedeutet, von einem verkauften Taschenbuch, das 10 Euro kostet, erhält ein Autor noch nicht einmal 50 Cent. Die Prozente für E-Books sind meistens ein bisschen großzügiger und liegen in diesem Fall etwa bei 1 Euro. Allein, wenn ihr diese Zahlen seht, könnt ihr euch schon ausrechnen, dass ein Autor eine gaaaaaanze Menge Bücher verkaufen muss, um ein halbwegs „normales“ Gehalt davon zu bekommen. Für ein Jahresgehalt von 30.000 Euro wären es entsprechend 60.000 Taschenbücher oder 30.000 E-Books. Dabei sind 30.000 Euro kein besonders üppiges Gehalt, aber ein Buch, das sich 60.000 Mal innerhalb eines Jahres verkauft hat, könnte durchaus bereits auf der Bestsellerliste auftauchen.

Jetzt aber mal Hand aufs Herz: Wie viele Bücher sind Bestseller? Die allerwenigsten! Etwa eins von 100 Büchern landet für eine gewisse Zeit auf der Bestsellerliste. Und selbst, wenn man es einmal für ein Wöchlein auf die letzten Plätze der Bestsellerliste schafft, heißt das noch lange nicht, dass das mit dem nächsten Buch noch einmal passiert.

Und an dieser Stelle folgt ein kleines Edit mit genaueren Zahlen (die ich im ersten Anlauf meines Artikels noch etwas ungenau hatte. Aber Nina George, die sich seit Jahren in Sachen Urheberrecht und Piraterie-Bekämpfung engagiert, hat mir ganz auf die Schnelle mit ein paar genaueren Zahlen ausgeholfen. Woraufhin ich selbst noch mal das ein oder andere nachgelesen habe. Vielen Dank, Nina!):

Genaugenommen verdienen gerade einmal 9% aller Autoren dieses angesprochene Jahresgehalt von 30.000 Euro. Laut der KSK haben die versicherten Autoren ein Durchschnittsgehalt von etwa 18.000 Euro. Aber wie gesagt: Durchschnitt – Auf der einen Seite der Statistik befinden sich die „deutschen Rowlings“ (um es mal plakativ zu formulieren) und auf der anderen Seite all jene, deren Namen ihr noch nie gehört habt und die gerade einmal 4000 Euro im Jahr verdienen. Ein weiterer Haken dieser KSK-Statistik liegt darin, dass nur die „versicherten“ Autoren darin auftauchen. All jene, die unter 3.900 Euro verdienen, werden nicht, oder nur Ausnahmsweise (als „Berufsanfänger“ für maximal 3 Jahre) in der KSK versichert. Wenn man also für ein Buch, an dem man ein Jahr lang arbeitet, weniger als 3.900 Euro bekommt, hat man nicht einmal die Chance auf eine Kranken- und Rentenversicherung. Und nochmal zur Erinnerung: 3.900 Euro bekommt unsereins für 7.800 verkaufte Taschenbücher oder 3.900 verkaufte E-Books. Das sind ziemlich viele Bücher für einen Autoren, der noch keine Stammleserschaft hat. Wenn davon dann noch die Hälfte geklaut statt gekauft wird … ihr versteht das Problem?

Tatsächlich ist es so, dass 90% aller Buchautoren das Geld zum Leben woanders zusammenkratzen müssen: Über einen anderen Job, durch den hoffentlich üppigen Verdienst des Ehepartners, vom Jobcenter …
Für uns Autoren ist das ein Problem, denn das Schreiben von Büchern ist kein „Hobby“, das man locker in seiner Freizeit erledigen kann. Viele versuchen das, weil ihnen so viel daran liegt und es keine andere Möglichkeit gibt, aber bei dem Versuch gleichzeitig Vollzeitautor zu sein und einen anderen Vollzeitberuf auszuüben, ist es bis zum Burnout nur eine Frage der Zeit – und spätestens, wenn dann noch eine Familie dazukommt, wird ein Autor wohl nur noch selten ein Buch fertigstellen.

Das alles sollte euch klar sein, wenn ihr mit dem Mauszeiger das nächste Mal über dem „kostenloser Download“- Button schwebt: Ihr bestehlt nicht die „Reichen“, ihr bestehlt eine Berufsgruppe, die mehr oder weniger am Hungertuch nagt.

In dieser schönen neuen Robin-Hood-Welt werden die ARMEN bestohlen

Ich weiß, objektiv betrachtet ist es nicht besonders klug, einen Beruf auszusuchen, bei dem man soooo wenig verdient. So gesehen sind wir „selbst schuld“, und ich für meinen Teil hatte auch schon oft meine Zweifel, wie lange ich wohl noch so weitermachen kann. Aber letztendlich nehmen wir Autoren unsere „Armut“ in Kauf, weil es diese Geschichten gibt, die wir gerne erzählen möchten, diese Geschichten, die ihr lesen wollt und die deshalb diese merkwürdige verquere Verbindung zwischen euch und uns erschaffen. Und wenn ihr das respektiert, wenn ihr vielleicht manchmal auch diese klitzekleine Verbindung zwischen euch und den Geschichten spürt – dann solltet ihr eure Bücher in Zukunft wieder kaufen. Denn nur so können wir Autoren weiterhin Geschichten für euch schreiben, ohne daran zu verzweifeln.

Aber vielleicht täusche ich mich ja auch mit meiner deprimierenden Rede und ihr seid alle ohnehin schon ehrliche Leser. Ja, ich hoffe sogar sehr, dass es so ist. Aber für den Fall, dass es nicht so ist, schließe ich jetzt mal meine Augen und wünsche es mir – für das neue Jahr …

… und verteile gleich danach noch ein paar Herzen an alle, die bis hierhin gelesen haben <3 <3 <3

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein schönes neues Jahr, in denen ihr die Geschichten findet, die zu euch gehören!!!

Eure Daniela

Zum Weiterlesen:

Weitere interessante Blog-Artikel zum Thema:

Claudia Toman: Geiz ist peinlich – Warum eine Apfeltasche mehr wert ist als ein Roman. Gedanken zur Verramschung der Buchbranche.

Nina George: Fans, Spießer, nette Leute: ePiraten sind auch nur Menschen.

Und für diejenigen, die es ganz genau wissen wollen:

Kompass für Urheberrechtsschutz von der GVU (Gesellschaft zu Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen)

Die regelmäßig erscheinenden Gutenbergstudien zu aktuellen Entwicklungen in der E-Bookpiraterie

20 thoughts on “Autoren und E-Book Piraterie – Mein Ende des Schweigens

  1. Jana sagt:

    Guten Tag!

    Der Artikel ist zwar schon aus Januar aber ich möchte dazu gerne noch etwas schreiben.

    Ich gehöre zu jenen die zu Beginn der eReaderzeit gar nichts damit anfangen konnten und sich Bücher nur als Printausgaben gekauft haben. Mittlerweile habe ich einen Kindle gehabt (wieder verkauft) und einen Tolino (wg. dem offenen System). Ich kaufe meine Bücher nachwievor. Denn ich will für meine Arbeit schließlich auch bezahlt werden. Autoren haben wie ich ihre Kosten zu zahlen.

    Was mich zu Beginn nur sehr gestört hat ist das Preisverhalten in Bezug auf eBooks. Wieso kostet ein eBook genauso viel wie die Printausgabe? Immerhin gibt es hier kein Druck, kein Papier, keine Tinte – ergo weniger Kosten. Bis heute verstehe ich diese Preispolitik nicht. ABER, klar das da ein Aber kommt – ich nehme dies nicht als Anlass Bücher zu stehlen. Wenn mir ein Buch zu teuer ist, kaufe ich es nicht oder schaue in der Onleihe, was eine gute Alternative zur klassischen Bibliothek ist.

    Viele Leser stören sich daran das sie ihre eBooks nicht verleihen können wie Printausgaben – aber wo hört das „leihen“ auf und wo beginnt das systematische „verteilen“?

    Bevor ich hier weiter schwafele – ich finde es gut das Autoren/Verlage etc. das Thema ansprechen und finde das dies weiter geschehen sollte. Den Piraterie ist meine Meinung nach a) eine Straftat und b) völlig unnötig. Mittlerweile gibt es diverse (Online-)Verlage die eBooks kostenlos raushauen oder teilweise für 0,99 Cent (verdient der Autor daran überhaupt?!).

    Ich würde es sehr schade finden, wenn eBooks zeitlich später erscheinen würden als die Printausgaben, denn ich lese kaum noch Printausgaben, sondern fast nur eBooks.

    Ich weiß nicht ob Ihnen mein Beitrag jetzt irgendwas bringt, außer vielleicht das wissen, dass es eben doch noch ehrliche Menschen gibt, die ihr erarbeitetes Geld gerne in Bücher investieren.

    Vg
    Jana

  2. Ben sagt:

    Da hilft kein Jammern oder Moralisieren und schon gar nicht der Versuch, die „Piraterie“ zu bekämpfen. Das Geschäftsmodell funktioniert einfach unter den aktuellen technologischen Bedingungen nicht mehr. So kann’s gehen. Andere Berufe werden durch die technologische Entwicklung ganz überflüssig. Anstatt hier ein Grundrecht auf Einkommen für Urheber zu unterstellen, sollte man ein Bedingungsloses Grundeinkommen für alle fordern. Dann hätte auch jeder Urheber die Möglichkeit, abgesichert seiner Kreativität nachzugehen. Diejenigen, die es wegen zu geringem Zusatzeinkommen dann nicht tun, wären wohl auch kein kultureller Verlust.

  3. Desiree sagt:

    Hallo Daniela,

    vielen Dank für deinen ausführlichen Artikel. Ich fand es toll, dass du diesen auch mit ein paar Fakten und Zahlen hinterlegt hast, um den Lesern auch einfach noch mal zu verdeutlichen, wie wenig die meisten Autoren tatsächlich verdienen bzw. wie viele Bücher sie verkaufen müssen für ein anständiges Grundgehalt! Vielleicht gibt das ja auch dem ein oder anderen noch mal Stoff zum Nachdenken!

    Liebe Grüße
    Desiree

  4. Hallo Daniela,
    ich kam auf Deinen Beitrag via Facebook.
    Ich verstehe den Ärger – der von Musikbranche, über Filmindustrie bis hin zu den Büchern – alle kreativen Branchen und vor allem die Künstler dahinter umtreibt. Eine Lösung dafür kann sicher zum größten Teil nur bei den Leuten liegen, die die Angebote nutzen. Zumindest in der Buchbranche ist es (egal wie man zum eBook steht) zum Glück schon so, dass (nicht zuletzt durch den Zwang von Amazon) zumindest eine Bandbreite von Angeboten verfügbar ist, die den legalen Download von Büchern einfach macht. Da brauchte die Musikbranche deutlich länger – und das hat sie viel gekostet. Denn illegal war lange Zeit einfacher…
    Insgesamt hoffe ich, dass im Lauf der Jahre der korrekte Umgang mit den digitalen Medien (und ihre „einfache“ Kopierbarkeit) normaler wird und die Menschen verstehen, dass sie das Geld nicht für 500 Gramm Papier ausgeben. Aber das wird dauern und es kann auch schief gehen.
    Und – falls es ein Trost ist – das ganze System ist auch bei Papier-Büchern nicht neu: unsere ersten Fachbücher (Computer) wurden uns knapp 3 Monate nach Erscheinen in einer Studentenkneipe als fotokopierte Raubkopie angeboten. Die Umsatzzahlen dieser Raubkopierer waren wirklich nicht ohne. Man kriegte es nur viel seltener mit, was da alles lief…
    Und auch damals witzelten viele Buchhändler schon, dass Bücher in Deutschland nach „Gewicht“ gekauft werden. Was erklären würde, dass Menschen ganz tief drinnen denken: was kein Gewicht hat, kostet ja auch nix. Und Reader sind seeeehr leicht…
    Die Frage die Du und viele andere Autoren aufwerfen ist letztlich aus meiner Sicht fast schon philosophisch zu sehen: was sind einer Gesellschaft ihre „Autoren“ wert? Unabhängig von dem literarischen Wert, der dem einen oder anderen per Feuilleton zugemessen wird. Wenn wir Pech haben, bringt die Digitalisierung unter Umständen eines an den Tag: der Wert dieser Arbeit ist nicht allzu hoch in der Wahrnehmung der anderen.
    Das ist für die vielen Autoren die an den untersten Grenzen des Einkommens sind schon jetzt eine Realität. Und ich rede nicht nur von schlechten Autoren, die denken dass schreiben einer persönlichen Betroffenheitsgeschichte oder das nutzen von bekannt erfolgreichen Versatzstücken ist Autorenschaft. Und das gilt auch für die Schauspieler, Musiker usw. die deutlich weiter unten auf der Erfolgsleiter stehen – sofern sie die Leiter überhaupt schon zu Gesicht bekommen haben. Wir orientieren uns alle gerne an den hellen, leuchtenden Sternen – die im dunklen sieht man nicht.
    Also stelle ich mir die Frage: ist das eBook das Problem (ähnlich wie „das Internet“ für die Zeitungen und Zeitschriften) oder hat es einfach mit uns Menschen zu tun, denen eine neue Möglichkeit das ganze nur einfacher macht.
    Als Hoffnung für die vielen jungen Autoren (ich bin ja schon ein älteres Semester) bleibt nur, dass die Lernkurve und vor allem die Wertschätzung dieser Arbeit bei den Lesern ansteigt. Von der Auswahl (mal was anderes, neues ausprobieren und nicht nur lesen, was auch andere die irgendein Buch gelesen haben auch gekauft haben), über das Verständnis für diejenigen die es geschrieben haben bis hin zu den Verlagen, die wieder stärker die Aufgabe erfüllen müssen, die im Lauf der Jahre in Vergessenheit geraten ist: Autoren die es wert sind finden und fördern.
    Und dann wäre es sicher gut, wenn auch die Autoren ihren Teil dazu beitragen, dass der Wert richtig eingeschätzt werden kann. Kopieren ist ja nicht nur eine Kunst die Leser beherrschen ;-) Und immerhin gibt uns jeder Leser etwas unglaublich kostbares: seine Lebenszeit. Die ist unwiederbringlich weg. Damit sollten wir vorsichtig umgehen. Tun wir das nicht, besteht das Risiko dass wir zum Grundrauschen, Beiwerk oder dergleichen werden. Und damit deutlich wertloser.
    Hmmm – wenn ich das jetzt so durchlese, kommt es mir vor wie Wünsche zum neuen Jahr oder zu Weihnachten. Aber macht nix – war ja gerade ;-)

  5. Gerhard sagt:

    Der Aufschrei ist bei mir als Konsument angekommen! Nichts anderes hatte Sven Regener schon 2012 kritisiert, als er in einer Wutrede Google und Youtube abwatschte, welche die Kunst zur Wertlosigkeit degradieren. Leider werden illegale Downloads immer noch als Kavaliersdelikt angesehen. Somit müsste dein Beitrag, der plausibel die Folgen der „Geiz-ist-Geil“-Mentalität aufzeigt, einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt werden. Auch wer nicht mit ausreichenden finanziellen Mitteln ausgestattet ist, um sich Bücher oder Ebooks zu kaufen, der findet in öffentlichen Bibliotheken ein reichhaltiges Angebot an Literatur, ohne als Kunstschmarotzer zu gelten.

  6. Alexa Innocenti sagt:

    Ich gehoere wahrscheinlich zu dem kleinen Personenkreis, die noch nicht einmal einen Reader haben und vielleicht sogar nie einen besitzen werden. Ich kaufe meine Lieblingsbuecher ordnungsgemaess im Buchhandel, verschlinge sie in max. 2 Tagen und stelle sie bei mir zuhause ins Regal. So bin ich das gewohnt und so wird es auch bleiben. Ich liebe das Gefuehl, ein richtiges Buch mit 300 Seiten in den Haenden zu halten.
    Erst vor kurzem habe ich nun meinen ersten eigenen Roman fertiggestellt und befinde mich derzeit auf Verlagssuche. Dadurch habe ich mich natuerlich immer mehr mit der Materie befasst. Zu meinem Erstaunen bin ich nun durch den Aufschrei in diversen FB-Gruppen auf das Phaenomen der E-book-Piraterie aufmerksam geworden. Ich gehe davon aus, dass sich diese Leserschaft nicht einmal bewusst ist, was sie mit den illegal heruntergeladenen Werken den Autoren antun. Schreiben ist harte Arbeit, gerade wenn man es wegen Beruf und Haushalt nur hobbymaessig betreiben kann, und den Verfasser um sein ohnehin schon geringes Honorar zu bringen ist schlicht und einfach Diebstahl.
    Ich hoffe – auch in eigenem Interesse :-) – dass die Leser durch deinen Bericht ein wenig sensibilisiert wurden und sich mehr mit den Autoren identifizieren koennen. Ebooks bewegen sich nun wirklich in einer passablen Preisklasse, und wenn man sich einen Reader leisten kann, hat man bestimmt auch die paar Euro fuer sein Lieblingsbuch.
    Danke fuer den tollen Artikel und liebe Gruesse!

  7. jeff sagt:

    5000 Klicks ungleich 5000 Downloads.

    Wahrscheinlich nicht mal ein Zehntel davon.

    • Daniela sagt:

      Hallo Jeff,

      das mag sein, dass Klicks nicht gleich Downloads sind. Aber da diese 5000 nur die Zahl vom ersten Tag war und das Buch nun (trotz wiederkehrender Take-Downs) immerhin seit zwei Jahren „frei verfügbar“ ist, gehe ich insgesamt doch davon aus, mindestens in dieser Größenordnung bestohlen worden zu sein. Ich wollte euch nur nicht mit langen detaillierten Schätzungen und Rechnungen langweilen.
      Leider haben es die Piraten auch versäumt, mir eine genaue Abrechnung über meine Downloadzahlen zu schicken. Ein Umstand, den ich wirklich sehr bedaure.
      Aber falls du zufällig in der Nähe der Quelle sitzt, darfst du das gerne nachholen, dann kann ich meine Zahlen korrigieren ;-)

      Viele Grüße
      Daniela

  8. Ann-Bettina sagt:

    Hallo Daniela,
    ich gebe dir vollkommen Recht, es ist eine Gemeinheit Leute, die sowieso kaum etwas verdienen, auch noch zu bestehlen. Aber solange du nicht gerade Amazon oder Apple dazu bekommst, dagegen vorzugehen, kann der einzelne Autor wohl nicht mehr machen als Appelle zu veröffentlichen. Die einzige Möglichkeit sehe ich darin, entweder gar keine eBooks zu veröffentlichen oder zumindest erst 0,5 bis 1 Jahr nach der Print-Ausgabe.
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

    • Daniela sagt:

      Liebe Ann-Bettina,

      Das ist tatsächlich eine Strategie, über die in Agenturen und Verlagen bereits nachgedacht wird: E-Books erst nach einer Schonfrist zu veröffentlichen – oder auch gar nicht. Aber letzteres kommt wohl nur bei sehr bekannten Autoren in Frage.
      Früher oder später könnte das den Buchmarkt trotzdem erneut umkrempeln, weil es die einzig wirkungsvolle Schutzmaßnahme ist.
      Allein deshalb sollte sich jeder Leser gründlich überlegen, ob er E-Books wirklich klauen will. Am Ende sägt er an dem Ast, an dem sein Lesefutter hängt. (Aber für den Fall hat er auf seinem Reader ja in vielen Fällen schon genug Hamsterkörner gesammelt, die kann er dann ja für den Rest seines Lebens zuende lesen).

      Liebe Grüße
      Daniela

      • skreutzer sagt:

        So einfach ist das nicht. Ein gescanntes PDF vom Print-Buch zu erstellen, stellt ja keine Schwierigkeit dar, und das dann mit OCR und Korrekturlesung in ein E-Book zu verwandeln, ist bei hinreichendem Interesse für den Titel auch nicht allzu abwegig.

    • Martin Baumann sagt:

      Hallo Ann-Bettina und Daniela,
      ein eBook erst 0,5 bis 1 Jahr nach der Printausgabe zu veröffentlichen, kann keine Lösung für das Problem sein. Den Lesern muß ein legaler Kauf möglichst leicht gemacht werden. Legt man ihm Extra-Hürden in den Weg, wird er gradewegs zu einer „alternativen“ Beschaffung getrieben.
      Ich persönlich lese (fast) auschließlich eBooks. Müßte ich stets eine längere Zusatz-Frist abwarten müssen, würde ich – trotz grundsätzlich fairen Absichten – ohne weiteres den für mich einfachsten (und nur zufällig billigsten) Weg gehen, um das gewünschte eBook lesen zu können.
      Den Markt auf diesem Wege zum Vorteil der Autoren „umzukrempeln“, wird durch Schikane der Kunden ganz sicher nicht funktionieren.

  9. Silke Danöhl sagt:

    Ich habe deinen Artikel bis zur letzten Zeile gelesen. Ich finde ihn sehr gut und sehr deutlich. Ich muss gestehen, dass ich wahrscheinlich zu den wenigen gehöre, die bis zu dem Aufschrei bei FB nichts von solchen Plattformen wusssten. Und ich bin tatsächlich geschockt. Deine Zahlen haben mich wirklich umgehauen. Ich habe auch einen Reader und bin immer wieder überrascht wie günstig diese zum Teil sind und so ist ganz schnell der Kauf Button gedrückt. Würde ich mir überlegen wenn das alles Taschenbücher wären wären es wahrscheinlich nicht mal die Hälfte der Bücher, zum einen weil ich dann ein eigenes Haus für siw bräuchte und zum anderen wäre es auch ein größerer finanzielle Aufwand. Überrascht bin ich auch über die Tatsache wie wenig dem Autor übrig bleibt, da sieht man gleich die Preise mit einem anderen Auge.
    Ich finde es gut, dass ihr Autoren euch dagegen wehrt, denn es ist schließlich euer Recht – euer Leben und das sollte schon honoriert werden, wie jede andere Arbeit auch. Daumem hich.
    LG Silke

    • Daniela sagt:

      Liebe Silke,
      die E-Book-Preise sind im Grunde nochmal ein ganz anderes Thema, für das sich ein ganz eigener Beitrag lohnen würde. Tatsächlich finden sich vor allem bei Amazon sehr viele, sehr billige E-Books in der Preisspanne zwischen 99 Cent und 3,99.
      Was viele Leser nicht wissen: Die meisten Bücher in dieser Preiskategorie sind „Independent-Bücher“, das heißt, es sind Bücher, die Autoren ohne einen Verlag direkt über Amazon veröffentlichen. Seit ein paar Jahren bietet Amazon diese Möglichkeit und sie ist inzwischen sehr populär geworden. Im Grunde kann dort jeder „einfach so“ sein geschriebenes Manuskript hochladen und zum Verkauf anbieten. Anfangs haben das viele „Selfpublisher“ genutzt, um ihre Bücher zu veröffentlichen, für die sie keinen Verlag gefunden haben. Aber inzwischen entscheiden sich viele Autoren auch bewusst für diesen Weg, weil es durchaus lukrativ sein kann.
      Was den Preis betrifft, gibt es nämlich einen wichtigen Unterschied zwischen „Indie-Büchern“ und Verlagsbüchern: Wenn man sein Buch direkt bei Amazon einstellt, bekommt man als Autor 70% Tantiemen. Im Verlag sind es für ein E-Book zwischen 20 und 25%. Auch die Verlage bekommen 70% von Amazon, was dann auf Autor und den ganzen Verlagsbetrieb aufgeteilt wird.
      Aber wer als Autor direkt veröffentlicht, kann die 70% allein einstreichen. Dafür muss er natürlich auch das Risiko und die Kosten für Lektorat, Cover und Werbung selbst tragen.
      Trotzdem kann ein Selfpublisher sein Buch bequem für 2,99 anbieten und bekommt immer noch mehr als ein Verlags-Autor, dessen E-Book 10 Euro kostet. Für die Verlage und auch für uns Verlagsautoren ist das inzwischen ein großes Problem. Unsere E-Books verkaufen sich nicht (mehr). Das sieht man schon allein an den Kindle-Bestsellerlisten. Nur die gaaaaanz bekannten Verlagsbestseller tauchen dort für „normale“ Preise um 10 Euro auf. Ansonsten bestehen die Bestsellerlisten fast ausschließlich aus „Billig-E-Books“.
      Das Segment der Billig-E-Books setzt sich inzwischen aus drei Bereichen zusammen: Zum einen die bereits genannten Selfpublisher. Zum zweiten sind es kurzzeitige Rabattaktionen, in denen die Verlage ihre E-Books günstiger anbieten. Und zum dritten ist vergangenes Jahr noch eine Neuheit entstanden: Auch die Verlage wollten sich das „Billig-Segment“ nicht entgehen lassen und fast alle Verlage haben im letzten Jahr ein sogenanntes „E-Book-Only-Label“ aufgemacht, in denen Bücher ausschließlich als E-Book für einen günstigen Preis veröffentlicht werden. Vor allem junge Autoren bekamen auf diese Weise im letzten Jahr auch in den Verlagen eine Chance. Der Haken: Ein Print gibt es nur, wenn sich das E-Book in großen Mengen verkauft hat.
      Die Leser freuen sich naturgemäß über diese billigen Preise, aber das Fatale daran ist Folgendes: Die E-Bookpreise befinden sich in einer Abwärtsspirale. In der Wahrnehmung der Leser ist ein E-Book für 10 Euro zu teuer geworden. Allenfalls für den neuen Dan Brown wird soviel ausgegeben. Die Verlage wollen aber ihre „normalen“ E-Books nicht billiger machen, weil sie dann befürchten, dass sie eine zu große Konkurrenz zu den Printbüchern aufbauen, so dass immer mehr Leser aufs E-Books umsteigen und die Printbücher im Gegenzug auch billiger werden müssten, um noch gekauft zu werden. Aber ein Printbuch lässt sich nicht billiger machen und wenn die Preise insgesamt weiter sinken, geht daran der Buchmarkt komplett zu Grunde.
      Das ist die langfristige Perspektive.
      Aber junge Autoren wie mich, die noch relativ neu am Buchmarkt sind, aber direkt im Printbereich eingestiegen sind, trifft das Thema jetzt schon ganz direkt: Unsere E-Books verkaufen sich wirklich kaum, und auch im Buchhandel sind die Printbücher von „neuen Autoren“ eher spärlich vertreten.
      Entsprechend ist es sehr, sehr schwer geworden, sich als neuer Autor ans Tageslicht zu kämpfen.
      Auch das ist ein Grund, warum ich auf Buchdiebe um so wütender bin.
      Einen tollen Artikel zum Thema Billig-E-Books hat meine Verlagskollegin Claudia Toman geschrieben. Ich habe ihn oben verlinkt ;-)

      Liebe Grüße
      Daniela

      • skreutzer sagt:

        Ein E-Book muss das Print-Buch keineswegs ausschließen, auch nicht bei etablierten Verlagen. In den meisten Fällen könnten die jedem E-Book per Print-on-Demand eine gedruckte Variante spendieren, sofern ihre Aufbereitungs-Workflows modern genug dazu sind. Was „neue Autoren“ betrifft – mehr Leute schreiben und mehr Leute bekommen einen Distributionskanal geboten, also gibt es mehr Konkurrenz um die begrenzte Leserschaft, -zeit und -aufmerksamkeit.

  10. Michaela sagt:

    Heftig! Ich bin ein Fan vom kindle und e-books. Da die Menge an Büchern die ich sonst hätte, meine Wohnung sprengen würde. Vor allem kann ich mir dadurch sogar noch mehr Bücher kaufen als sonst. Ich verstehe die Leute nicht die euch Autoren auf diese Art bestehlen. Nur durch euch können wir Leser abtauchen und ein paar Stunden den Alltag vergessen. Ich geniesse es auf FB immer auf dem neuesten Stand zu sein und euch auch nahe zu sein. Sofern man von Nähe reden kann. Nur durch FB bin ich auch zu Handsignierten Printausgaben gekommen. Denn wenn mir ein Buch so sehr gefällt dann kaufe ich mir sogar noch die Printausgabe, auch wenn der Verlag aus Deutschland ist und Versandkosten drauf sind. Das ist es mir wert. Da freu ich mich dann mega wenn das Paket kommt, auspacke und ins Bücherregal stelle. Sogar Lesezeichen hab ich von Annie Stone gewonnen, die sofort einen Ehrenplatz bekommen haben. Obwohl ich nie gerechnet habe zu gewinnen. Das Grinsen hatte ich einen ganzen Tag im Gesicht. Es ist schon was besonderes und auf diesem Weg sage ich euch, es gibt noch gaaaannzz viele ehrliche Leser die euch und eure Arbeit zu schätzen wissen. DANKE!

  11. cheshirepunk sagt:

    Ein sehr schöner Artikel, der mich schon nachdenklich gestimmt hat, aber es wäre schön, wenn es zu diesen angesprochenen Studien, wie „Dass nur 10% aller E-Books legal erworben werden“ oder „Dass die meisten illegal bezogenen E-Books wirklich gelesen werden“, mit Quellenangaben belegen könntest. Vielleicht kannst du das noch nachreichen.

    Kopf hoch und liebe Grüße!

    • Daniela sagt:

      Hallo Cheshirepunk,
      ich habe in den letzten Jahren sehr viel zu dem Thema gelesen, deswegen ist es rückwirkend nicht ganz leicht, die Quellen wieder zusammenzusuchen. Aber ich habe es jetzt mal versucht und oben noch einige Links eingefügt. Die Schätzung, dass nur 10% aller E-Books legal erworben werden, habe ich aus der Gutenberg-Studie 3.4 (Dort steht es auf Seite 7 ;-)) Diese Studie stammt aus 2013. Danach ist es eher noch schlimmer geworden. Die Gutenbergstudien erscheinen mehrmals jährlich und werden von Andreas Schaale und Manuel Bonik verfasst, die sich hauptberuflich mit der Pirateriebekämpfung beschäftigen.
      Woher ich die These hatte, dass die meisten geklauten E-Books auch gelesen werden, konnte ich jetzt auf die Schnelle nicht wiederfinden. Deswegen hab ich es oben auch rausgenommen. Was das betrifft, scheinen sich die Einschätzungen wohl auch zu streiten und man findet häufiger die Schätzung, dass die meisten E-Books wohl nur gehortet werden. Davon bin ich auch lange Zeit ausgegangen, bis ich diese gegenteilige Einschätzung gelesen habe (aber wie gesagt, ich finde die Quelle im Moment nicht wieder, so ein Ärger. Wenn sie jemand weiß, ich freu mich über „Aushilfe“ ;-))
      So, ich hoffe, damit konnte ich deine Frage nach den Quellen wenigstens zur Hälfte erfüllen ;-)

      Liebe Grüße
      Daniela

      • Andreas sagt:

        Liebe Daniela,
        danke für diesen Text aus Sicht eines Autors (und auch dafür, dass Du unsere Studie zitiert hast). Ich halte ebooks im Bereich Belletristik für eine hoch riskante Angelegenheit, auf jeden Fall aus Sicht der Autoren. Die Abrechnungen der Verlage, die ich gesehen habe, zeichnen ein düsteres Bild: auf sagen wir mal 5000 Print Verkäufe kommen so etwa 100 ebook Verkäufe.
        Ich dachte auch mal anders über ebooks, aber heute würde ich jedem Autor empfehlen, dem Verlag auszureden, das Buch auch als ebook herauszubringen. Leider ist das Verständnis des Internets bei den meisten Verlagen zu gering, um die Risiken zu verstehen (und das war noch sehr höflich ausgedrückt). Genauso kontraproduktiv (für Autoren) sind Flatrates. Im Prinzip ist es „legale Piraterie“. Ich habe diesbezügliche Diskussionen in den USA unter Self Publishern gelesen – kurz gesagt: wenn ein Buch in der Amazon Flatrate zu leihen ist, geht der Umsatz etwa um 50% zurück.
        Und noch ein Wort zu dem Piraten Geschwurbel über „… Recht auf Information und freies Wissen …“ oder wie auch immer diese Typen ihre Hehlerei zu rechtfertigen versuchen. Sehr gerne zitieren die Piraten das Menschenrecht an kulturellen Errungenschaften teilnehmen zu können (Artikel 27) http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf . Leider wird immer nur Artikel 27 Absatz 1 erwähnt. In Absatz 2 heisst es: „ … Jeder hat das Recht auf Schutz der geistigen und materiellen Interessen, die ihm als Urheber von Werken der Wissenschaft, Literatur oder Kunst erwachsen. …“. Man kann als Pirat schon mächtig stolz darauf sein, verbriefte Menschenrechte zu brechen.
        Grüsse, Andreas

        • skreutzer sagt:

          Also, Andreas, ist dir denn bekannt, wie der Vorwurf gegen Aaron Schwartz lautete? Ist dir denn bekannt, für welche „Verbrechen“ Gottfrid Svartholm und Fredrik Neij derzeit im Gefängnis sitzen und Peter Sunde saß? Ist dir denn bekannt, auf welcher Grundlage Kim Dotcom enteignet wurde?

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *