Frankreich und Fichtenhausen, Kapitel 1 bis 10

Fichtenhausen (1. Kapitel, S. 27 ff.)

Fichtenhausen ist ein fiktives Dorf auf dem Paderborner Land. Als landschaftliches Vorbild für Fichtenhausen dient für mich der Geburtsort meiner Oma. Wobei ich das reale Dorf lediglich aus Besucherperspektive und natürlich in der heutigen Zeit kenne. Abseits von dem, was meine Oma darüber berichtet und geschrieben hat, kenne ich also weder die Familien, die dort leben, noch die dörflichen Strukturen. Um mir also nicht anzumaßen, die nationalsozialistische Vergangenheit eines realen Dorfes zu beleuchten, habe ich dem Dorf den fiktiven Namen Fichtenhausen gegeben und werde an dieser Stelle auch nicht verraten, welches Dorf mein Vorbild war. „-hausen“ ist jedenfalls eine häufige Namensendung bei Dörfern auf dem Paderborner Land.

Gestüt und Familie von Steineck (1. Kapitel, S. 28 ff.)

Die von Steinecks und ihr gleichnamiges Gestüt entstammen voll und ganz meiner Feder. Für diese Familie existiert kein reales Vorbild. Tatsächlich gab es in dem Dorf meiner Oma überhaupt kein Gutshaus. Anderswo im Paderborner Land gab es aber vergleichbare herrschaftliche Anwesen. Daher habe ich mir die Freiheit genommen, eines davon in meinem fiktiven Dorf „Fichtenhausen“ anzusiedeln.
Sollte es irgendwo tatsächlich eine Familie von Steineck geben, so ist die Namensähnlichkeit rein zufällig und hat nichts mit meinen Protagonisten zu tun.

Flankierbaum (3. Kapitel, S. 58)

Flankierbäume sind dicke Holzbalken, die horizontal angebracht werden, um die Stellplätze der Pferde voneinander zu trennen. Im Krieg war es üblich, auf diese Weise provisorische Ställe einzurichten.

Biestmilch (4. Kapitel, S. 69)

Biestmilch, auch Kolostralmilch genannt, ist die erste Milch, die eine Mutterkuh nach der Geburt eines Kälbchens gibt. Sie enthält lebensnotwendige Immunstoffe, ohne die das Kälbchen nicht überleben könnte. In der Milchviehhaltung ist es bis heute üblich, Kälbchen und Mutter nach der „Kolostralgabe“ zu trennen oder bereits die Kolostralmilch mit der Flasche zu verabreichen.

Katholiken vs. Protestanten (4. Kapitel, S. 76/77)

Der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten existierte damals in Westfalen tatsächlich. Dieser Streit geht noch zurück auf das Ende der Napoleonischen Kriege 1815. Im Zug der Friedensverhandlungen wurde die Provinz Westfalen aus diversen kleineren Gebieten zusammengesetzt und den Preußen zugeschlagen. Manche dieser Gebiete waren ohnehin protestantisch und die Bewohner freuten sich über den Anschluss an Preußen.
Die katholischen Landesteile nahmen es den Preußen jedoch übel, dass sie auf diese Weise die „Herrschaft“ übernommen hatten. Dazu zählte auch das ehemalige Bistum Paderborn, in dem die Mehrheit der Menschen katholisch war. Die protestantische Minderheit wurde hier noch bis in den 2. Weltkrieg mit Verachtung betrachtet.
Spuren des katholisch-protestantischen Konfliktes blieben sogar noch bis in meine Kindheit in den 1980er Jahren spürbar, zwar wurde damals niemand mehr aufgrund seiner Konfession ausgegrenzt, aber es war unter uns Kindern durchaus noch der Rede wert, ob jemand nun katholisch oder evangelisch ist.

Bauernbefreiung (4. Kapitel, S.76/77)

Die Bauernbefreiung, also die Abschaffung der Leibeigenschaft, war eine zentrale Maßnahme, die Preußen einführte, nachdem es die Herrschaft über die Provinz Westfalen übernommen hatte. Für die Bauern bedeutete dies zwar einerseits die persönliche Unabhängigkeit von seinem Feudalherren. Wer aber in Bauer bleiben wollte, musste seinen ehemaligen Feudalherren für das Land entschädigen. Die meisten Bauern wurden dadurch mit gewaltigen Schulden belastet. Da sie diese Schulden nur selten mit Geld begleichen konnten, mussten sie ihre Schuld beim ehemaligen Feudalherren abarbeiten. Dabei wurden die Schuldscheine oft durch mehrere Generationen an die Erben weitergegeben und erst die Inflation nach Ende des ersten Weltkrieges befreite die letzten Bauern aus der Schuld gegenüber den ehemaligen Grundherren.
Auch darin lag ein gewaltiger Konflikt zwischen „herrschaftlichen Familien“ und einfachen Bauern.

O.U. (6. Kapitel, S. 101)

O.U. steht für „Ortsunterkunft“ und war als Ortsangabe in Soldatenbriefen üblich, da der Aufenthaltsort zumeist der Geheimhaltung unterlag. Den Soldaten war es verboten, in ihren Briefen Hinweise auf ihren Einsatzort zu geben. Diese Vorschrift war wichtig für den Fall, dass die Briefe in die Hände der Gegner geraten.