Geschichte von Kreta und Griechenland

Die minoische Kultur

Das Volk der Minoer siedelte zwischen 3300 bis 1000 vor Christus auf Kreta und begründete mit der minoischen Kultur die erste Hochkultur in Europa. Wie die Minoer sich selbst nannten, konnte nicht herausgefunden werden. Doch die Historiker benennen ihre Kultur nach dem mythologischen König „Minos“, der der Legende nach als Sohn von Zeus der erste König von Kreta wurde.

Alles, was wir heute von der minoischen Kultur wissen, beruht auf den Funden von zahlreichen Ausgrabungen. Zwar besaßen die Minoer bereits eine Schriftsprache und fertigten Tontafeln mit kurzen Notizen an, doch es ist bis heute noch nicht gelungen, die beiden verwendeten Schriften (Hieroglyphen-Schrift und Linearschrift A) zu entschlüsseln. Entsprechend konnten Historiker und Archäologen nur aufgrund von Wandmalereien sowie von ausgegrabenen Bauten und Gegenständen auf die Kultur der Minoer schließen.

Vor allem Wand- und Vasenmalereien zeigen, dass auch die Minoer eine Polytheistische Religion pflegten, die sich um verschiedene Götter drehte. Dabei fällt auf, dass insbesondere den Frauen in den Darstellungen eine besondere Rolle zufällt. Aus diesem Grund wurde schon viel darüber spekuliert, ob die Minoer womöglich eine Matriarchale Gesellschaft waren. Vieles weist jedenfalls daraufhin, dass die Herrschaft in Knossos von einer Frau geführt wurde. Aber endgültig geklärt werden konnte dieser Punkt noch nicht.

In jedem Fall waren die Minoer ein sehr spezialisiertes Volk, in dem verschiedene Berufe ausgeübt wurden und in dem sowohl die Kunst wie auch die Schrift eine wichtige Rolle spielten. Damit waren die Minoer ihren Zeitgenossen in Europa um Längen voraus, einzig die Ägyptische Hochkultur entwickelte sich zur gleichen Zeit und stand wahrscheinlich auch im wechselseitigen Kontakt mit den Minoern.

Auf den bekanntesten Ausgrabungsstätten auf Kreta wurden große Paläste aus der Minoischen Zeit freigelegt (z.B. in Knossos). Anhand von mehreren Schichten aus zerstörten und wiederaufgebauten Gebäuden, lässt sich erkennen, dass die minoischen Paläste offenbar zweimal zerstört wurden. Diese beiden Zerstörungswellen haben an unterschiedlichen Orten zur gleichen Zeit stattgefunden, so dass die Forscher von Naturkatastrophen ausgehen (wahrscheinlich ein Erdbeben oder ein Vulkanausbruch). Nach der ersten Zerstörung wurden die meisten Paläste wiederaufgebaut, die zweite Zerstörung leitete langfristig gesehen jedoch den Untergang der Minoischen Kultur ein.

Entsprechend dieser Funde, die auf unterschiedliche minoische Epochen hindeuten, wird die minoische Kultur in vier bis fünf Zeitabschnitte eingeteilt:

Vorpalastzeit (3300 bis 1900 v. Chr.)

In dieser Zeit führten die Minoer ein einfaches bäuerliches Leben und wohnten in kleinen Siedlungen beisamen. Jedoch scheint die Bevölkerungszahl in der Vorpalastzeit stark zugenommen zu haben.

Altpalastzeit (1900 bis 1650 v. Chr.)

In dieser Zeit entstanden die ersten Paläste, deren bedeutendsten Ausgrabungsstätten heute in Knossos, Malia, Phaistos und Petras zu finden sind. Die Paläste scheinen hauptsächlich für die Verwaltung gebaut worden zu sein. Darin fanden sich aber auch größere Kammern zum Einlagern von Waren und über Kanäle sogar Zufahrten für Boote, so dass man davon ausgeht, dass es ebenso Handelszentren waren. Aber auch für religiöse Zwecke scheinen die Paläste genutzt worden zu sein. Erstaunlich ist vor allem das ausgefeilte System zur Trinkwasserversorgung und zur Entwässerung. Letzteres war nahezu mit einer Kanalisation zu vergleichen.

Am Ende der Altpalastzeit wurden die Palastanlagen auf Kreta jedoch zerstört, vermutlich durch ein Erdbeben.

Neupalastzeit (1650 bis 1430 v. Chr.)

Der Zerstörung der Paläste folgte ein rascher Wiederaufbau. Dabei wurde der Palast in Knossos sogar noch vergrößert. Auch neuere Paläste und andere Gebäude entstanden in dieser Zeit, insbesondere größere Häuser, die aufgrund eines fehlenden Zentralhofes jedoch nicht als Palast sondern als Villa interpretiert werden.

(dritte, mykenische Palastzeit) (1430 bis 1370 v. Chr.)

Die zweite Zerstörungswelle fand ungefähr um 1430 v. Christus statt, zumindest sind aus dieser Zeit überall auf Kreta Brand- und Zerstörungsspuren zu finden. Nach dieser Zerstörung finden sich zwar immer noch Nachweise über den Fortbestand der minoischen Kultur, jedoch mischen sie sich stark mit den Elementen mykenischer Kultur, so dass man annimmt, die Mykener hätten Kreta um 1430 v. Chr. erobert. Die Mykener stammten vom griechischen Festland. Sie entwickelten ihre Kultur zunächst parallel zu den Minoern, gelangen aber erst nach der Vermischung der beiden Kulturen zum Höhepunkt ihrer Entwicklung. Zum Teil wurden die Paläste durch die Mykener weitergenutzt und zur gleichen Zeit auch vergleichbare Paläste auf dem griechischen Festland errichtet. Teilweise wurden die alten kretischen Paläste nach dieser zweiten Zerstörungswelle jedoch auch verlassen. Die Nutzung durch die Mykener lässt sich am besten in der Schrift erkennen, die mit diesem Umbruch ebenfalls eine Wandlung erfuhr. Zwar sind die Schriftzeichen der Linearschrift B der Linearschrift A sehr ähnlich. Doch die Linearschrift B konnte entschlüsselt werden, da sie in Lauten und Sprache zu einer frühen Form des Griechischen passt. Dabei handelt es sich um die Sprache der Mykener, die mit dem heutigen Griechisch verwandt ist. Die vorherige Linearschrift A der Minoer scheint hingegen mit der griechischen Sprache nicht verwandt zu sein, und obwohl man inzwischen weiß, welche Laute den Buchstaben zugeordnet werden müssen, ließ sich noch nicht herausfinden zu welcher Sprachfamilie die Minoische Sprache gehörte.

Nachpalastzeit (1370 bis 1100 v. Chr.)

Entweder um 1370 oder aber erst um 1200 v. Chr. wurde auch Knossos als letzter minoischer Palast zerstört. In etwa um 1200 v. Christus kam es auch auf dem griechischen Festland zu Unruhen und Zerstörungen, so dass diese Ereignisse womöglich auf Kreta übergriffen und die Reste der minoischen und mykenischen Kultur vernichteten. Auch die mykenische Kultur auf dem griechischen Festland verschwand zur gleichen Zeit.

 

Untergang der Minoer und Mykener

Doch wie genau die Kultur der Minoer und Mykener untergegangen ist, konnte bis heute noch nicht ganz geklärt werden. Lange Zeit wurde darüber spekuliert, ob ein Vulkanausbruch auf Thera (heute Santorin) um 1500 v. Christus eventuell der Grund dafür ist. Der Vulkanausbruch soll Tsunamis ausgelöst haben, die dann wiederum die Küstenstädte zerstörten.

Doch tatsächlich hat die minoische Kultur nach diesem Ereignis noch mehrere Jahrhunderte überlebt. Es könnte jedoch sein, dass durch die Zerstörung der Insel Santorin der einzige Haltepunkt zerstört wurde, den die Minoer besaßen, wenn sie mit ihren Handelsschiffen Waren ans Festland bringen wollten. Ihren Stützpunkt auf Santorin brauchten die Minoer zwingend, da sie über Nacht nicht mit dem Schiff fahren konnten und zum Übernachten nur diese Insel in Frage kam. Nach dieser Theorie könnte es sein, dass der Wegfall ihres Stützpunktes langfristig gesehen dazu führte, dass die Minoer keine Handelsbeziehungen mehr unterhalten konnten. Diese Entwicklung schwächte die Minoer und sorgte für innere Unruhen. Aber auch eine Einwirkung durch äußere Bedrohung ist nicht auszuschließen, da in anderen Teilen des Mittelmeers zur gleichen Zeit erwiesene Kämpfe stattfanden.

 

Die dunklen Jahrhunderte (1050 bis 800 vor Christus):

Dunkle Jahrhunderte in der Geschichte bezeichnen eine Zeit, über die wir bislang kaum etwas herausfinden konnten. Es wird angenommen, dass dunkle Jahrhunderte dann entstehen, wenn eine zuvor zivilisiertere Gesellschaft zusammenbricht, sei es durch Kriege oder Katastrophen und in Folge dessen in ihrer Bevölkerungszahl stark zurückgeht. Damit geht einher, dass auch die Schriftsprache und technischen Errungenschaften verloren gehen, so dass nur wenige Zeitzeugnisse hinterlassen werden, die etwas über das Leben der Menschen aussagen.

Ein paar Dinge wissen wir heutzutage dennoch über die dunklen Jahrhunderte in Griechenland. Sicher scheint zu sein, dass der Niedergang mit den zerstörerischen Ereignissen begann, die um 1200 vor Christus sowohl auf Kreta als auch auf dem griechischen Festland für weitgehende Verheerungen gesorgt haben. Was genau damals passiert ist, lässt sich noch nicht rekonstruieren, aber in Folge dessen scheint die mykenische Wirtschaft (die sich auf Kreta zuvor mit der minoischen Kultur vermischt hat) nicht wieder richtig erholt zu haben. Auch die Schriftsprache, die zuvor nur von der Oberschicht benutzt wurde, scheint in dieser Zeit verloren gegangen zu sein.

Darauf folgte eine Zeit (vom späten 11. bis zum 9. Jhd. vor Chr.), aus der am wenigsten bekannt ist. Die wenigen Funde sind Überreste aus ärmlichen Siedlungen, sowie Tontöpfe und Scherben, die sich deutlich von der vorherigen Tonkunst unterscheidet. Es wird vermutet, dass in den dunklen Jahrhunderten mehr und mehr Menschen aus anderen Volksgruppen, insbesondere die Dorer eingewandert sind. Ob sie die vorherige Bevölkerung dabei vertrieben haben, ob sie sich mit ihnen vermischt haben oder ob die früheren Bewohner bereits durch andere Katastrophen so stark dezimiert waren, dass das Land einfach nur besiedelt werden musste, bleibt bislang unklar. Wahrscheinlich war es jedoch eine Kombination aus allem, also aus äußeren Angriffen und Ressourcenknappheit, die mit inneren Unruhen und Kämpfen einherging.

 

Als wesentlicher Ansatzpunkt wird inzwischen jedoch vermutet, dass sich der Untergang der Minoer und Mykener womöglich in den Götterlegenden der antiken Griechen widerspiegelt. So finden sich in Zeus‘ Machtübernahme und seinem Sieg über seinen Vater Kronos immer wieder klare Bezüge zu Kreta. Laut dieser Legenden soll Zeus in einer Höhle auf Kreta aufgewachsen sein und beim „Raub der Europa“ näherte er sich dem Mädchen in der Gestalt eines Stieres und entführte sie anschließend nach Kreta, wo er mit ihr drei Söhne zeugte. Sein erstgeborener Sohn Minos wurde später der König von Kreta.

Der Stier wiederum spielte in der minoischen Kultur offenbar eine wichtige Rolle, wie zahlreiche Darstellungen von Stieren belegen. Die Doppelhörner des Stieres finden sich als steinerne Skulpturen in den minoischen Bauten, zumeist an erhabenen Stellen, wo sie wie ein religiöses Zeichen weithin sichtbar waren. Auch auf zahlreichen Zeichnungen sind Stiere, Stierhörner und Menschen mit Stierhörnern zu sehen. Auf Wandmalereien sind Opferszenen zu erkennen, in denen Stiere einem Gott geopfert werden. Außerdem finden sich Zeichnungen des sogenannten Stiersprunges. Auf diesen Darstellungen ist zu sehen, wie junge Männer oder Frauen längs über den Rücken eines Stieres springen. Dazu fassen sie den Stier bei den Hörnern, werden von ihm nach oben geschleudert, landen mit einem Salto auf dem Rücken des Stieres (im Stehen) und springen von dort aus wieder ab.

Zu welchem Zweck genau diese lebensgefährliche Turnübung durchgeführt wurde, ob als Wettkampf,zum Beweis besonderer Stärke, oder aus religiösen Gründen, bleibt ungeklärt. Aber womöglich hat die bis heute gepflegte Tradition des Stierkampfes im Mittelmeerraum hier ihren Ursprung.

Aber auch die Sage des Minotaurus könnte damit im Zusammenhang stehen. Der Minotaurus war ein monströses Mischgeschöpf aus Mensch und Stier. Alle neun Jahre mussten die Athener sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen nach Kreta schicken, wo sie dem Minotaurus geopfert wurden.

Erst Theseus, dem Sohn des Athener Königs Aigeus, gelang es, den Minotaurus zu besiegen.

Auch in diesen Legenden rund um Theseus vermuten Forscher einen Bezug zum Untergang der minoischen Kultur.

 

Erst Mitte des 8. Jahrhunderts vor Christus setzte in Griechenland wieder ein Aufschwung ein. Es kam zunehmend zu einem orientalischen Einfluss, der den Griechen kulturelle und gesellschaftliche Errungenschaften mitbrachte, so zum Beispiel das Alphabet der Phönizier. Ab dieser Zeit ist auch wieder reger Handel mit den umliegenden Gebieten belegt und ein neuer Aufschwung hat begonnen, der schließlich der Beginn des antiken Griechenlands wurde.

Das antike Griechenland

Archaische Zeit (700 bis 500 vor Christus):

Die bedeutenden und heute noch bekannten Geschichten über die Götter (z.B. die Illias oder die Odyssee) wurden während der archaischen Zeit niedergeschrieben, insbesondere von den beiden Autoren Hesiod und Homer. Durch diese Geschichten wurde der Götterglauben der Griechen maßgeblich und für viele Jahrhunderte geprägt. Aus heutiger Sicht waren die Werke von Hesiod und Homer jedoch keine geschichtlichen Werke, die von wahren Begebenheiten erzählen, sondern eher eine frühe Form von fiktiver Literatur, die alte mythische Geschichten wiedergibt, die zuvor nur mündlich überliefert wurden. Doch wie bereits gesagt könnte sich darin die wahre Geschichte in verschlüsselter und verzerrter Form wiederfinden.

Das Leben der Griechen war während der archaischen Zeit vor allem durch zwei Dinge geprägt: Zum einen eroberten und besiedelten die Griechen nach und nach den ganzen Mittelmeer- und Schwarzmeerraum, wobei sie sich aber vor allem dort niederließen, wo sie auf wenig Widerstand stießen. Und zum zweiten wurde Griechenland nicht als einheitlicher Staat regiert, sondern jede Stadt wurde als sogenannte „Polis“ von einem einzelnen „Tyrannen“ beherrscht. Wobei das Wort Tyrann nicht unbedingt bedeutete, dass es gewalttätige Herrscher waren (wie wir es heute verwenden würden). Tyrann bedeutete einfach nur, dass es Alleinherrscher waren, unabhängig davon, ob sie ihr Volk gut oder schlecht behandelten. Zudem lagen die Tyrannen häufig mit anderen Tyrannen aus den anderen Städten im Krieg.

Es gab also kein Nationalgefühl zwischen den Griechen und nur wenige Dinge, die dennoch eine Verbindung zwischen den unterschiedlichen Städten (Poleis) schufen. Das größte Verbindungsglied war dabei der ausgeprägte Glauben an die gleichen Götter, also an die olympischen Götter, die Hesiod und Homer in ihren Geschichten zum Leben erweckt hatten. Aber auch die olympischen Spiele wurden in dieser Zeit erfunden und gehörten zu den wenigen Ereignissen, bei denen alle Griechen eine Art Gemeinschaft erlebten.

Erst kurz vor Ausbruch der Perserkriege (510 vor Christus) fingen die Griechen an, so etwas wie ein gemeinsames Nationalbewusstsein zu entwickeln, um sich gegen den gemeinsamen Feind zu verbünden, auch wenn dies langfristig gesehen nicht anhielt (siehe unten).

Klassische Zeit (500 bis 336 vor Chrisus):

Die klassische Zeit beginnt mit den Perserkriegen. Zum Ende des 5. Jahrhunderts vor Christus haben die Perser angefangen ihr Reich durch Kriege und Besetzungen immer weiter über den südlichen und östlichen Mittelmeerraum auszudehnen, bis sie östlich des Mittelmeeres schließlich auch einige griechische Gebiete besetzt hielten. So kam es ab 500 vor Christus schließlich zum Ionischen Aufstand, in dem sich die besetzten Städte gegen die Perser auflehnten. Auch die inzwischen demokratisch regierte Polis „Athen“ unterstützte den Aufstand mit einigen Kriegsschiffen, was die Perser schließlich als Begründung nahmen, um in einem „Vergeltungsfeldzug“ weiter gegen die Griechen vorzugehen. Damit begannen die Perserkriege, in dem sich die mächtigen Poleis Griechenlands (z.B. Sparta und Athen) erstmalig miteinander verbündeten, um gegen den mächtigen Gegner anzukommen.

Der griechische Gelehrte Herodot begründet in dieser Zeit die griechische Geschichtsschreibung, indem er sich als erster griechischer Autor zum Ziel setzt, die tatsächlichen Ereignisse möglichst wahrheitsgetreu wiederzugeben. Später folgt ihm der Historiker Thukydides, so dass es über die klassische Zeit erstmals Zeugnisse gibt, in denen die tatsächlichen Ereignisse wiedergegeben werden. Alle Geschichten, die zuvor verfasst worden waren, enthielten immer einen mehr oder weniger großen Anteil an Fiktion und Fantasie der Autoren.

Im Laufe der klassischen Zeit wurden einige Tyrannen in den griechischen Stadtstaaten (allem voran in Athen) zunehmend von Demokratien abgelöst. Diese waren sehr ausgefeilt und unserer heutigen Demokratie bereits sehr ähnlich. Alle männlichen Bürger über 18 durften an der Vollversammlung teilnehmen, auf der über alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam abgestimmt wurde. Darüber hinaus gab es aber auch einen Rat, der die Abstimmungen im Vorfeld der Vollversammlung vorbereitet hat und der jedes Jahr neu gewählt wurde.

Auch das Gerichtswesen hat sich verändert, so gab es bei Gerichtsverhandlungen keinen einzelnen Richter, sondern Geschworene, die durch Auslosung aus allen Vollbürgern ausgewählt wurden.

Die griechische Gesellschaft zu dieser Zeit bestand hauptsächlich aus Bauern und Handwerkern, von denen die meisten gerade genug erwirtschaftet haben, um ihre eigenen Familien zu ernähren. Die Griechen waren also kein reiches oder wohlhabendes Volk und es gab nur sehr wenige Menschen, die einen größeren Besitz hatten.

Die größte demokratische Macht unter den Griechen stellte schließlich der „Attische Seebund“ dar, eine Vielzahl von Städten, die alle unter der Athener Schutzherrschaft standen. Innerhalb des attischen Seebundes herrschte also eine relativ gleichberechtigte Form von Demokratie, bei der allerdings Frauen und Sklaven von dem Stimmrecht ausgeschlossen waren. Doch unter diesen Voraussetzungen entwickelten sich die antike griechische Kultur, die auch die bis heute bekannten Philosophen hervorbrachte, wie zum Beispiel Platon, Sokrates und Aristoteles. Von ihnen wurden zahlreiche mathematische, medizinische und gesellschaftliche Lehren verfasst und weitergegeben. Aber auch die berühmten antiken Tragödien und Komödien stammen aus dieser Zeit (auch wenn sie sich oftmals wiederum mit den alten Götter und Heldengeschichten beschäftigen). Das Zentrum der philosophischen Lehren und Künste war die Akropolis in Athen.

Neben Athen wuchs jedoch auch Sparta zu einer griechischen „Großmacht“ heran und schließlich kam es zu immer größeren Spannungen zwischen den beiden Mächten, weil sowohl Sparta als auch Athen fürchteten, der jeweils andere könne mächtiger werden. Aus dieser Furcht heraus kam es schließlich zwischen 460 und 404 vor Christus zu zwei Peloponnesischen Kriegen zwischen Sparta und Athen und ihren jeweiligen Verbündeten. Am Ende wurde Athen von Sparta besiegt, allerdings nicht zerstört. Dennoch kam kein Frieden zustande. Da Spartas Verbündete mit dem Ausgang des Krieges unzufrieden waren, folgten eine ganze Reihe von weiteren Kriegen zwischen unterschiedlichen Beteiligten, in denen sich auch Sparta immer weiter verausgabte. Zudem mischte sich auch Persien immer wieder in diese Kriege ein und schließlich vereinbarten die schwach gewordenen griechischen Mächte (allem voran Sparta) den sogenannten „Königsfrieden“ unter dem persischen König Artaxerxes II, bei dem Kleinasien und Zypern unter persische Herrschaft gestellt wurden, während die anderen Teile Griechenlands autonom wurden, aber dafür auf den Frieden schwören mussten.

Ein weiterer Nebeneffekt der aufreibenden Kriege zwischen den großen Mächten Sparta und Athen war es, dass gleichzeitig die kleineren Poleis am Rand von Griechenland davon profitierten und selbst immer mächtiger wurden (z.B. Theben, Thessalien, Korinth und Megara). So kam es zu weiteren Kriegen zwischen unterschiedlichen Poleis, an deren Ende es dem Makedonischen König Philip II gelang, die anderen griechischen Poleis bis hin zu Athen zu unterwerfen und der erste Herrscher über ganz Griechenland zu werden. Mit seiner Ermordung um 336 vor Christus endete die klassische Zeit.

Die hellenistische Zeit (336 bis 30 vor Christus)

Der Sohn von Philip II, Alexander der Große, vollendete das Werk seines Vaters. Ihm gelang es, die letzten griechischen Aufstände niederzuschlagen und schließlich besiegte er in seinem „Alexanderzug“ zunächst die Perser und weitete sein Reich bis nach Indien aus. Auf diese Weise wurde die griechische Kultur bis nach Indien getragen und entwickelte sich im Osten (z.B. in Alexandria und in Pergamon) zu weiteren Hochburgen. Aber nach Alexanders Tod (323 vor Christus) kehrte dennoch kein Frieden in Griechenland ein. Die einzelnen Poleis verloren zwar an Macht und Griechenland gliederte sich stattdessen in Bundesstaaten, doch einzelne Poleis versuchten immer wieder die Vorherrschaft zu erlangen und führten kleinere Kriege gegeneinander.

Erst die Römer beendeten dieses Hin und Her, indem sie Griechenland besetzten und zu einer römischen Provinz machten. Damit wurde Griechenland zu einem Teil des römischen Reiches und verlor damit für fast 2000 Jahre seine Unabhängigkeit (erst im 19. Jahrhundert wurde wieder ein unabhängiges Griechenland gegründet).

Damit endete die griechische Antike. Jedoch setzte sich das Zeitalter der Antike unter römischer Herrschaft fort: Die griechische Kultur fand maßgeblich Eingang in die römische Kultur und lebte dort weiter. Die Lehren der griechischen Philosophen wurden weithin geschätzt und die griechische Sprache gehörte unter höherrangigen Römern zu einem wichtigen Teil ihrer Bildung. So wundert es auch nicht, dass fast jeder der griechischen Göttern eine Entsprechung bei den römischen Göttern findet.

Auf die Antike in der Zeit des römischen Reiches gehe ich jetzt nicht näher ein, möchte aber dennoch das Ende der Antike erwähnen, und damit den Ausgang der griechischen Geschichte erzählen: Nach vielen Jahrhunderten römischer Herrschaft, in denen Athen weiterhin eine große Bedeutung hatte und vor allem als Bildungszentrum sehr geschätzt wurde, wurden die oströmischen Balkanprovinzen ab 580 nach Christus nach und nach durch slawische Völker besiedelt. Schließlich wurden auch die römischen Orientprovinzen ab 636 durch die Araber erobert, so dass auch Ägypten und Syrien nicht länger zum römischen Reich gehörten. Mit diesem Ereignis war der Untergang des römischen Reiches verbunden und damit endet offiziell auch die Epoche der Antike.

Die Hinterlassenschaften der griechischen Kultur wussten jedoch auch die Araber zu schätzen, so dass viele Zeugnisse nur dadurch erhalten geblieben sind, weil sie von ihnen auch nach dem Untergang des Römischen Reiches weiter gepflegt wurden.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *