Josephs Ballade über den Krieg

Falls noch nicht geschehen, empfehle ich, zunächst die Erläuterungen zu dieser gestrichenen Szene zu lesen! Siehe: Outtakes – entfernte Szenen.

Es ist nur ein Märchen, doch lausche in Ruh.
Gib acht, was es vorsichtig wispert Dir zu.
Lies nicht nur die Worte, nein, höre was klingt,
was nicht geschrieben ganz leise nur schwingt.

Einst waren es Ritter von edlem Geblüt,
mit goldener Rüstung und heiligem Mut.
Sie zogen dahin in weite Ferne,
in festem Glauben an Stolz und Ehre.

Sein Herz sei so schwarz, er sei böse, der Feind,
so grausam mit Gier und Großmacht vereint.
An den Grenzen, so hieß es, dort stehe er schon,
sich das Reich und Europa zu holen, voll Hohn.

Doch die Goldenen kamen dem Feind zuvor,
marschierten ein in die Weite, durch Wälder und Moor.
Begrüßt wurden sie mit weißen Fahnen,
mit Blumen und Jubel und goldenem Rahmen,
für das Portrait ihres Führers, der Völker befreit.
So dachten die Menschen, oh bitte verzeiht –
die goldenen Ritter, sie glaubten es auch,
ganz ehrlich und standhaft an Eichen und Laub.

Die Weite sich hinzieht, Begrüßung wird schwächer,
bald treffen sie nur noch auf bittere Rächer.
Was war geschehn, dass der Jubel nicht dauert?
Gerüchte, ein Flüstern, wie eingemauert.
Vom Sterben und Töten, man weiß nicht genau.
Doch genug für den Hass, selbst von Kindern und Frau.

Die Rüstung der Ritter beginnt zu rosten,
Braunrot rinnt in Bächen weit hinten im Osten.
Sie müssen gehorchen, so spricht die Natur,
von Helden und Rittern der Diktatur.
Bald sind sie getrieben wie einst ihre Feinde,
in Angst und Sterben fast eine Gemeinde.

„Nur noch die Hauptstadt, ein letzter Streich.
Dann sind wir für immer das ewige Reich.“
Doch so leicht wird es nicht, weiß der traurige Held,
nicht in Kälte und Eis auf gefrorenem Feld.
Nicht mit Hunger und Schmerzen und ohne Kraft,
das Leben zermürbt wie geronnener Saft.
Nicht in Blusen zerschlissen und Hosen gerissen, wenn wir Mäntel vermissen –
doch das soll niemand wissen.
Denn zuhause, da heißt es, die stolzen Ritter …
… schlagen den Feind bald schon wieder so bitter.

Die Wahrheit spricht anders – doch pscht, kein Wort –
die Ritter sind längst schon an trostlosem Ort.
Der Gegner, er wehrt sich in höllischer Macht,
weißer Schnee färbt sich rot in blutiger Schlacht.
Die Ritter, sie weichen und stolpern nach hinten,
nur selten gelingen noch mutige Finten.
Doch meistens verlieren sie Menschen und Pferde,
für Gräber zu hart ist gefroren die Erde.
Und wenn nicht das Leben, dann ist es ein Zeh,
den die Kälte sich nimmt. Erfrieren tut weh.

Rückzug, Männer! In eiserne Stellung,
jetzt halten, für immer, das ist die Bestimmung.
Nur Wenige tragen das nackte Leben,
viel mehr ist es nicht, fast alles gegeben.

Auch der Erzähler … kann kaum mehr erzählen,
kann nur noch aus wenig Erlebnissen wählen.
Sein Bewusstsein wird schwarz an jenem Tag,
als plötzlich ihn trifft ein heftiger Schlag.
Seither weiß er nicht, was den andren geschah,
nicht mehr als das, was er grad noch so sah.

Nur eins lass Dir sagen, mein armes Kind,
es flüstert und wispert und fliegt mit dem Wind:
Ich lebe, Mathilda, und er tut es auch,
doch die Welt, die wir liebten, verweht mit dem Rauch.

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