Entfernte Szenen

Erläuterungen

Meine Ursprungsfassung von „Winterhonig“ hatte etwa 150 Seiten mehr als die Version, die nun veröffentlicht vorliegt. Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich fast alle meine Bücher nach dem Schreiben noch einmal kürze(n muss), weil sie meistens länger werden als vorgesehen. Tatsächlich tut es den Büchern in der Regel gut, wenn sie auf diese Weise noch ein bisschen gestrafft werden. Genauso war es auch bei Winterhonig.

Insgesamt hat das Manuskript zu „Winterhonig“ zwei Kürzungsdurchgänge durchlaufen. Die ersten Kürzungen habe ich ganz allein entschieden, noch bevor ich das Manuskript an den Verlag geschickt habe. Dabei ging es vor allem um Szenen und Teilszenen, die ich bei der Überarbeitung als überflüssig empfand und bei denen ich mir sicher bin, dass sie die Spannung des Buches gestört hätten. Bei dem zweiten Durchgang hat meine Lektorin weitere Kürzungsvorschläge gemacht, die wir dann miteinander besprochen und abgewägt haben.

Letztendlich denke ich, dass wir die richtigen Entscheidungen getroffen haben und es gut war, die gekürzten Szenen aus dem Buch zu entfernen. Dennoch gibt es ein paar Szenen, um die es mir sehr leid tat, weil ich sie eigentlich sehr gerne mochte.

Diese Szenen möchte ich euch gerne zeigen. Wer das Buch also schon gelesen hat und sich noch nicht so ganz von Mathilda und Karl trennen mag, den lade ich hiermit ein, noch ein paar „Extra-Szenen“ zu lesen. Allerdings muss ich an dieser Stelle die eindringliche Warnung loswerden, dass manche dieser Szenen SPOILER enthalten. Ich empfehle also allen, die Extra-Szenen erst nach der Lektüre des Buches zu lesen.

Bevor es losgeht, möchte ich allerdings zu jeder Szene kurz erläutern, wo sie ursprünglich im Buch zu finden war und warum wir sie gestrichen haben.

Viel Spaß also beim Blick hinter meine Kulissen!

 

Mathildas erste Kälbchengeburt

Am Ende des 1. Kapitels unterhalten sich Mathilda und Leni darüber, wie sie als Kinder immer zu Böttchers Mama geschickt wurden, wenn der „Klapperstorch über das Haus flog“.  Anschließend an diese Szene gab es in meiner Ursprungsfassung eine erste Rückblende in Mathildas Kindheit, in der wir miterleben, wie sie zum ersten Mal eine Kälbchengeburt erlebt. Obwohl ich diese Szene immer sehr schön fand, entpuppte sie sich leider als störend. Der wichtigste Grund lag darin, dass es die einzige Rückblende war, die sich nicht in die Chronologie der „Kindheitshandlung“ eingefügt hat. Die entsprechende Szene spielte nämlich erst 1934, also zu einer Zeit, als Mathilda und Karl sich bereits eine Weile kannten. Entsprechend war auch das Verhältnis der beiden schon ziemlich vertraut, so dass für den Leser schon einiges vorweggenommen wurde, was später in der chronologischen Erzählung ihrer Freundschaft noch einmal erzählt wird.

Kurzzeitig habe ich daher in Erwägung gezogen, die Szene nach hinten zu schieben, also dorthin, wo in der Chronologie der Handlung ihr „richtiger Platz“ gewesen wäre. Dieser Platz wäre allerdings an einer Stelle, an der es die Dramaturgie des Buches arg stören würde. Wer die zeitliche Abfolge so einigermaßen im Kopf hat, dem dämmert es vielleicht schon: Sämtliche Kindheiterzählungen im Buch, bis zu ihrem Höhepunkt, dem Übergriff der SA auf das … [Leser des Buches wissen jetzt, was ich meine], spielen im Jahr 1933. In der Chronologie wäre diese Szene also erst danach gekommen – und wäre an dieser Stelle dann ein herber Rückschlag in der Spannung der Geschichte gewesen.

Aus diesen Gründen haben wir uns also entschieden, die Szene komplett zu streichen. Tatsächlich befanden sich nur wenige Kleinigkeiten darin, die unverzichtbar waren oder die ich aus anderen Gründen unbedingt behalten wollte. Falls euch also beim Lesen das ein oder andere bekannt vorkommt, dann liegt das daran, dass ich manche Details an eine andere Stelle des Buches übertragen habe.

So, damit wünsche ich euch nun aber viel Spaß bei Mathildas erster Kälbchengeburt.

 

Hühnerschlachten

Karl als Retter der kleinen Mathilda – solche Szenen gibt es ja einige im Buch. Ursprünglich gab es allerdings noch die ein oder andere mehr. Um dieses heldenhafte Bild von Karl nicht überzustrapazieren, haben wir uns jedoch entschlossen, das ein bisschen auszudünnen. Dieser Entscheidung ist die folgende Szene zum Opfer gefallen: Mathilda soll die Hühner schlachten.

 

Karls Tagebuch – Einträge Sommer 1938

Achtung Spoileralarm!!! Die Szene und diese Erläuterungen erst lesen, wenn ihr Karls Geheimnis bereits kennt!

Der Sommer 38 ist der Sommer, in dem sich Karl und Mathilda ineinander verlieben, in dem sie sich näher kommen und zum ersten Mal küssen – und an dessen Ende Karl spurlos aus Mathildas Leben verschwindet. Was der Grund dafür ist und was er im Bezug auf Mathilda empfindet, hat Karl in sein Tagebuch geschrieben.

Na ja gut, also nicht wirklich. Ich habe es in Karls Tagebuch geschrieben, allerdings aus seiner Sicht und in Ich-Perspektive. Dieser Tagebuchauszug war ein Fragment, das ich bereits in der Vorbereitung des Buches geschrieben habe, um mich in Karls Geheimnis und seine Liebe zu Mathilda einzufühlen. Dieses Fragment gefiel mir dann allerdings so gut, dass ich es eigentlich ins Buch übernehmen wollte – und zwar tatsächlich als Tagebuch, das Karl zusammen mit seinem Brief bei Veronika hinterlegt, damit Mathilda es bekommt. In meiner Ursprungsfassung hat Mathilda in Veronikas Bibliothek also nicht nur Karls Brief sondern auch diesen Tagebuchauszug gelesen.

Da sich der Inhalt des Tagebuchs allerdings größtenteils mit den Szenen doppelt, die wir bereits aus Mathildas Perspektive erlebt haben, war meine Lektorin der Ansicht, dass wir das Tagebuch besser streichen sollten. Nun ja, was soll ich sagen, ich habe schwer geseufzt, aber sie hatte wohl recht. Wahrscheinlich hätte es an dieser Stelle tatsächlich gestört, die schönsten Szenen noch mal aus einer anderen Perspektive zu lesen.

Allerdings war mir sofort klar, dass ich das Tagebuch dann wenigstens auf meiner Webseite veröffentlichen will. Tja, und was soll ich sagen – ich muss euch etwas gestehen: Ich denke, ich hänge deshalb so sehr an diesem Tagebuch, weil ich mich in Karl verliebt habe, als ich es geschrieben habe :D

Viel Spaß wünsch ich euch also mit Karls Tagebuch!

 

Josephs Ballade über den Krieg

Ich schreibe ja nicht oft Gedichte, das gebe ich zu. Aber Mathildas Bruder Joseph tut es. Auch er schreibt Mathilda Briefe von der Front, in denen er ihr Märchen und Gedichte schickt.

Wie? Das wisst ihr gar nicht? Ach so. Das gehört leider zu den Dingen, die wir gestrichen haben. Oder besser gesagt: Es gehört sogar zu den Teilen der Geschichte, die ich gar nicht erst geschrieben habe, weil mir von Anfang an klar war, dass dieses Buch ohnehin viel zu lang wird.

Also, was ich damit sagen will: Im Exposé zu „Winterhonig“ hatte ich es so geplant, dass Mathilda nicht nur von Karl Briefe erhält, sondern auch von Joseph. Nur, dass Joseph in seinen Briefen etwas über den Krieg schreibt. Weil seine offene Meinung allerdings zu gefährlich gewesen wäre, sollte er sie in Märchen und Gedichten verschlüsseln.

Nun ja, wie gesagt. Mir fehlte der Platz für Josephs Märchen und Balladen. Außerdem war es inhaltlich gar nicht mehr nötig, weil ich in den direkten Kriegsszenen schon viel deutlicher vom Krieg erzählt habe und es nur langatmig geworden wäre, das gleiche noch einmal in verschlüsselter Form zu spiegeln. Die meisten Märchen und Gedichte habe ich also gar nicht mehr geschrieben. Das ein oder andere dann aber doch. Und eines davon möchte ich euch nun zeigen: Josephs Ballade über den Krieg

 

So, das war es erstmal von mir und den Extra-Szenen zu „Winterhonig“. Ich könnte vielleicht noch mehr gestrichene Szenen herauskramen. Allerdings waren das hier jetzt erstmal diejenigen, die mir am Herzen lagen. Aber falls ihr gerne noch mehr Einblick in das hättet, was ich aus dem Buch rausgeschmissen habe, dann hinterlasst mir einen Kommentar. Vielleicht finde ich noch das ein oder andere für euch ;-)

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