Prolog – Infos über Samoa

Seite 5:

Also zunächst einmal: Ich muss zugeben, das Szenario, was ich gleich zu Beginn auf Samoa angesiedelt habe, entspricht nicht so ganz dem, wie es tatsächlich heutzutage auf Samoa zugeht. Eine kleine Inselgruppe, mitten im pazifischen Ozean, das stellt man sich paradiesisch und abgelegen vor – und wenigstens ein kleines bisschen weltfremd. Aber dank unserer globalisierten Welt sieht die Realität selbst hier inzwischen anders aus: Auch auf Samoa gibt es Krankenhäuser und Lebensmittelgeschäfte – und deshalb geht in Wirklichkeit kaum noch jemand fischen, und erst recht nicht deshalb, weil man es zum Überleben bräuchte: Dafür gibt es notfalls Dosenfisch, Spaghetti oder andere leckere Dinge.

Zwar leben die Menschen tatsächlich noch in Dorfgemeinschaften und bewohnen ihre traditionellen Hütten (Fales), aber wenn, wie im Buch, ein ganzes Dorf krank sein sollte, würde man die Kranken ins Krankenhaus bringen, in dem dann eine ganze Reihe von gut ausgebildeten Ärzten arbeitet, denn auf Samoa gibt es sehr sehr viele Akademiker.

Aber abgesehen davon sind Infektionskrankheiten auf Samoa auch kein großes Problem mehr, jedenfalls bestimmt nicht größer als bei uns (wegen den wenigen Menschen eher sogar kleiner).

Also würde mein kleines, hübsch dramatisches Szenario am Anfang des Buches nicht in dieser Form stattfinden (was für ein Glück für die Samoaner!). Aber hey, ich hoffe, ihr seht es mir nach – es ist ein Fantasybuch, da werden ein bisschen unrealistische Dramatik und romantische Südseeträumereien ja hoffentlich erlaubt sein :-) Oder?

In dem Zusammenhang möchte ich mich herzlich bei Werner Kappus bedanken, der seit 1997 mit seiner samoanischen Frau und ihrem gemeinsamen Sohn auf Samoa lebt, eine spannende Webseite über das Land betreibt und so freundlich war, mir einige Fragen über das Land zu beantworten (und dabei meine romantischen Vorstellungen ein wenig gerade zu rücken.)

Aber jetzt zu den allgemeinen Infos:

 Samoa

Die Samoainseln sind eine kleine Inselgruppe im südwestlichen Pazifik. Die westlichen Samoainseln bilden den unabhängigen Inselstaat „Samoa“, während die östlichen Inseln zu den USA gehören und „Amerikanisch Samoa“ genannt werden.

Die Samoainseln wurden in etwa 1000 vor Christus von den Polynesiern besiedelt. Die Polynesier sind eine Volksgruppe, die mithilfe von einfachen Auslegerkanus (siehe unten) nahezu den ganzen Pazifikraum erobert haben, das heißt, sie haben die winzigen Pazifischen Inseln eine nach der anderen entdeckt und besiedelt. Woher genau die Polynesier ursprünglich gekommen sind, konnte noch nicht genau geklärt werden, aber genetische Untersuchungen und Sprachforschungen weisen darauf hin, dass der gesamte Pazifikraum von Taiwan aus besiedelt wurde. Dabei sind die Polynesier von Insel zu Insel voran gerückt.

1722 hat ein Niederländer als erster Europäer die Samoainseln entdeckt. Infolge dessen wurden die Samoaner christianisiert (das heißt zum Christlichen Glauben bekehrt) und die Inseln wurden europäische und amerikanische Kolonien. Nach einigem Machtgerangel zwischen Großbritannien, Amerika und Deutschland, wurde Ostsamoa schließlich den Amerikanern zugesprochen und der westliche Teil von Samoa war von 1900 bis zum Beginn des ersten Weltkrieges eine deutsche Kolonie. Im ersten Weltkrieg wurde dieser Teil jedoch von Neuseeland besetzt und gehörte von da an bis zu seiner Unabhängigkeit 1962 zu Neuseeland.

Alle größeren Samoainseln haben einen Vulkanischen Ursprung, sie sind also aus Vulkanen entstanden, deren Gestein sich nach diversen Vulkanausbrüchen über dem Meeresspiegel zu einer Insel geformt hat. Bis heute ist dies daran zu sehen, dass das Zentrum jeder Insel aus steilen von Dschungel bewaldeten Bergen besteht. Die Vulkane selbst sind jedoch erloschen.

Das Klima auf Samoa ist Tropisch-Ozeanisch, mit einer Trockenzeit und einer Regenzeit (letztere dauert von November bis März) und Temperaturen, die zumeist zwischen 20 und 30 Grad Celsius liegen. In der Trockenzeit dürfte es dort also ziemlich traumhaftes Wetter sein (mit Palmen am Sandstrand, unter blauem Himmel, also ganz so, wie man sich eine Südseeinsel vorstellt).

Heute gibt es im unabhängigen Teil von Samoa etwa 310 Dörfer, die alle selbstständig organisiert sind, das heißt, sie werden nicht wie in Deutschland und anderen westlichen Ländern übergeordnet auf verschiedenen Ebenen (Kreis, Bundesland etc.) verwaltet, sondern die Dorfbewohner entscheiden selbstständig, wie sie leben wollen. Außerdem gibt es keine Personalausweise und Neugeborene müssen nirgendwo offiziell angemeldet werden, so dass sich immer nur grob schätzen lässt, wie viele Menschen es eigentlich auf Samoa gibt.

Da es im modernen Samoa jedoch nicht viele Arbeitsplätze gibt, wandern viele junge Samoaner aus, um im Ausland zu studieren und zu arbeiten (insbesondere in Neuseeland). Der Familienzusammenhalt ist allerdings sehr stark, so dass viele von dort aus ihre Familien in der Heimat mit Geld unterstützen.

 Fale

Ein Fale ist eine typische samoanische Hütte und entspricht der traditionellen Bauweise der Polynesier. Diese Hütte ist rund und besitzt klassischerweise keine Wände. Das Dach wird also nur von schmalen Holzpfosten getragen, während man von außen das ganze Innere der Hütte sehen kann. Zum Schutz vor Regen und Wetter gibt es jedoch geflochtene Matten, die heruntergelassen werden können.

Eine Familie besitzt in der Regel mehrere Fales für verschiedene Zwecke: Eins für die Küche, eins für die Erwachsenen und die Mädchen, eins für die jungen Männer (ab 14) und eines für die hochrangigen Familienmitglieder und Gäste. Ach ja, und dann noch ein kleines mit einer Art Plumpsklo. Geduscht wird traditionell unter freiem Himmel.

Heutzutage gibt es auch Fales aus Stein oder Holz mitsamt Wänden und solche, in denen „richtige“ Badezimmer eingebaut sind. Aber das kann sich nicht jede Familie leisten.

Mehr darüber gibt es unter diesem Link

 

Seite 6:

 nächtliches Fischen mit der Senkleine

diese Art des Fischens ist eine Fangart, die auch heutzutage noch auf Samoa praktiziert wird und nur in der Nacht funktioniert. In der Abenddämmerung fahren die Fischer hinaus aufs Meer und lassen außerhalb des Riffes eine bis zu 200m lange Leine in die Ruhezonen der Fische hinab. Diese Leine ist mit Ködern bestückt und durch leichtes Ruckeln werden die Fische angelockt. Mehrmals in der Nacht wird die Leine eingeholt und mit neuen Ködern versehen. Diese Methode funktioniert aber nur in der Dunkelheit. Mit der Morgendämmerung steigen die Fische wieder an die Oberfläche, um dort zu jagen und können dann nur noch mit anderen Methoden gefangen werden.

Mehr Informationen und Bilder zum Fischen in Samoa finden sich hier.

 Rollenteilung in Samoa

Die Rollenverteilung in der Samoanischen Tradition ist in der Regel Patriarchalisch, das heißt, die Männer haben das Sagen und jedes Geschlecht hat klare Aufgaben, die es zu erfüllen hat. Die Frauen sind für die Kinder, die Wäsche und das Haus zuständig, während die Männer alles das tun müssen, was körperlich schwere Arbeit ist. Also vor allem jagen und fischen, Feuer machen und bauen. Auch das Kochen war auf Samoa ursprünglich eine schwere körperliche Arbeit, da die Nahrungsmittel dort ganz anders sind als bei uns. Getreide und Kartoffeln wurden erst in der neueren Zeit dort eingeführt. Früher aßen die Samoaner jedoch hauptsächlich Taro- und Tamu-Wurzeln, Kochbananen und Kokosnüsse. Das Ausgraben, schälen, raspeln und zubereiten der Wurzeln erfordert große körperliche Kraft. Außerdem wird über dem Feuer oder im Erdofen gekocht, was ebenfalls kein Kinderspiel ist.

Soviel zu der traditionellen samoanischen Küche. Natürlich gibt es inzwischen auch solche Lebensmittel zu kaufen wie bei uns, die wesentlich leichter zuzubereiten sind.

Mehr zum Kochen findet ihr auf diesen beiden Seiten:

Reisebericht 2011

Samoa-Info

Vieles, was als Männerarbeit gilt, war und ist für Frauen sogar verboten. Auch das Essen von bestimmten Speisen und das betreten heiliger Orte war Frauen oft nicht erlaubt. Ein solches Verbot nennen die Samoaner „Tabu“ (Dieses Wort stammt sogar aus dem Polynesischen Sprachraum, besitzt dort aber eher die Bedeutung, dass besondere Orte oder wichtige Dinge nicht berührt werden dürfen. Es hat also nicht die gesellschaftliche Bedeutung, in der wir es benutzen). Das Brechen von Tabus wurde früher mitunter sogar mit dem Tod bestraft, und in der alten Tradition galten für Frauen härtere Strafen als für Männer.

Aber heutzutage hat sich die Samoanische Tradition deutlich mit modernen, westlichen Einflüssen vermischt und solche Regelungen gelten nur noch eingeschränkt. So gibt es die Todesstrafe im Samoanischen Gesetz zwar noch, sie gilt jedoch nur noch für schweren Mord und wurde praktisch schon lange nicht mehr verhängt. Die Traditionen leben jedoch in gewisser Weise fort, und so ist beispielsweise die „Verbannung“ aus der Dorfgemeinschaft eine mögliche Strafe für Verbrecher oder für Leute, die sich nicht an die Regeln des Dorfes halten. Bei letzteren wird es jedoch geduldet, wenn sie nach einiger Zeit wieder zurückkehren, sich besser benehmen und entschuldigen.

Eine bestimmte Sache ist bei den Samoanern (oder überhaupt bei den polynesischen Völkern) jedoch seit jeher viel lockerer als in unserer europäischen Tradition: Zwar gibt es bei ihnen auch die Ehe zwischen Frau und Mann, jedoch ist es üblich, dass junge Leute schon vor der Ehe Beziehungen mit unterschiedlichen Partnern haben. Ohne solche Erfahrungen galt ein junger Mensch sogar als unattraktiv. Auch außereheliche und uneheliche Kinder entstehen häufig auf diese Weise und werden genauso behandelt und in die Erbfolge einbezogen wie eheliche Kinder. Selbst Trennungen und Scheidungen von Ehen waren zu jeder Zeit möglich, ohne dass die Männer oder Frauen deswegen ihr Gesicht verloren. Früher durften einflussreiche Männer mit einem hohen Titel auch mehrere Frauen haben, was mit dem Christentum jedoch eingeschränkt wurde.

 

Seite 7

 Auslegerkanu

Ein Auslegerkanu, auf Samoa auch Paopao genannt, ist ein schmales Kanu, das nur mit Hilfe eines Auslegers stabil auf dem Wasser liegt. Dieser Ausleger ist ein schmaler Holzbalken, der mit zwei Querstreben parallel zu dem Kanurumpf befestigt ist und dort auf dem Wasser liegt. Dieser Bootstyp wurde vor mehr als 3000 Jahren von den Polynesiern erfunden. Durch die schmale Bauweise ist ein Auslegerkanu sehr wendig und schnell, so dass man mit vergleichsweise geringer Anstrengung über weite Strecken damit paddeln kann. Mit einer etwas größeren Form dieses Kanus (ein Doppelrumpfkanu mit zwei parallelen Kanus zwischen denen eine Plattform und ein Segel eingebaut war) haben die Polynesier tatsächlich vor 3500 Jahren den gesamten Pazifischen Raum erobert, also eine Vielzahl winziger Inseln, bis hin zu Australien und Neuseeland. Bis heute ist das Auslegerkanu auf den polynesischen Inseln (also auch auf Samoa) das gängige Fortbewegungsmittel im Wasser, das vom Fischen bis hin zum Wassersport für alles benutzt wird, was man im Wasser so vorhaben kann. Das traditionelle Paopao auf Samoa ist ein Einbaum, das von 1 bis 3 Leuten gepaddelt wird.

Unter diesem Link findet sich ein Bild

 Matai

Das Wort „Matai“ wird im deutschen gerne mit „Häuptling“ übersetzt. Aber das trifft es nur teilweise, denn das Matai-System ist weitaus komplizierter. Es ist eine Art Hierarchie, wer in den Familien und Dorfstrukturen das Sagen hat. Im Prinzip ist der Matai dabei das Familienoberhaupt, jedoch ist eine Samoanische Familie sehr groß – die ganzen Sippschaften von Müttern, Vätern und Großeltern beiderseits zählen dazu – so dass in der Regel mehrere hundert Menschen verteilt auf mehrere Dörfer zur Familie gehören. In dieser Größenordnung gibt es immer mehrere Matais, die aber untereinander auch noch eine feste Hierarchie haben. Außerdem kommen in einem Dorf in der Regel verschiedene Familienverbände zusammen, so dass es immer einen Kreis von Matais gibt, die zusammen die Dorfversammlung bilden und gemeinsam entscheiden. In diesem Dorfrat gibt es aber immer auch einen ranghöchsten Matai, der zugleich das Oberhaupt des ganzen Dorfes ist.

Damit ist das Matai-System eine Form von Herrschertum, das seit Jahrtausenden gut funktioniert. Dabei wird ein Matai-Titel in der Regel vom Vater an den ältesten Sohn vererbt. Allerdings ist es wichtig, dass ein Titel-Träger dieser Würde auch gerecht wird: Ein Matai sollte besonders klug und geschickt sein und auf irgendeinem Gebiet große Kenntnisse und Fähigkeiten haben. Früher wurden dafür Familien-Traditionen mit dem Titel weitergegeben, z.B. ein bestimmtes Handwerk oder das Fischeroberhaupt des Dorfes. Aber auch mystisch-religiöse Bezüge können beim Matai-Titel eine Rolle spielen und so stammen die höchsten Matai-Titel auf Samoa der Legende nach von bestimmten Göttern ab und werden schon seit Jahrtausenden weitergetragen.

Wird der älteste Sohn dieser Würde nicht gerecht, verstirbt er früh oder will er lieber etwas anderes machen (was heutzutage häufiger vorkommt), kann auch ein anderer Sohn oder sogar eine Tochter nach dem Tod des Vaters dessen Matai-Titel erben. Wer der würdige Nachfolger wird, bestimmen wiederum die anderen Matais der Familie.

Heutzutage ist auch in diesem System das ein oder andere etwas verändert, aber grundsätzlich gilt diese Herrschaftsform noch immer. So gibt es immer noch die Matais der Familien, den ersten Matai eines Dorfes, eine Bezirksversammlung von obersten Matais und selbst das Samoanische Staatsoberhaupt trägt einen der traditionell höchsten Matai-Titel im Land. Allerdings gibt es heutzutage viele Matais, die ihre Titelwürde deshalb erreichen, weil sie große akademische Bildung besitzen. Da Bildung gleichbedeutend ist mit Würde und Ansehen, ist die Bildung an Universitäten eine der höchsten Tugenden im Land und es gibt eine hohe Anzahl von Akademikern. Viele von ihnen tragen aus diesem Grund einen Matai-Titel (oder die Erben eines Matai-Titels studieren, um ihrer Würde gerecht zu werden). Oftmals leben und arbeiten sie nach dem Studium jedoch im Ausland und unterstützen ihr Heimatdorf „nur“ mit Geld, während die dort verbliebenen Matais die alltäglichen Entscheidungen treffen.

Aber letztendlich sind alle Samoaner sehr mit ihrem Land und ihrer Gemeinschaft verwurzelt, so dass sie immer Verantwortung für ihre Familie tragen und sich auch aus der Ferne für die Gemeinschaft mit anderen Samoanern und insbesondere für ihre Familie und ihr Dorf einsetzen.

Wer noch Genaueres über das Matai-System wissen möchte, kann es hier nachlesen.

Seite 16

 Tätowierung in Samoa

Das Wort Tätowierung stammt von dem polynesischen Wort Tatauierung ab und wurde auch von dort erstmalig nach Europa gebracht. Die Tradition des Tätowierens fand sich jedoch in indigenen Kulturen überall auf der Erde.

Auf Samoa hat sich diese Tradition bis heute auf spezielle Weise erhalten. Dort werden junge Männer mit dem Eintritt in den Erwachsenenstatus an ihren Beinen bis oberhalb der Hüfte tätowiert. Dabei werden spezielle Zeichnungen eingebracht, die die Geschichte ihrer Familien erzählen und zudem zeigen, welche angeborene Stellung der junge Mann als Sohn seines Vaters mitbringt. In den Zeichen seiner Tätowierung zeigt sich sein „Mana“, ein Begriff, den die Samoaner für „Macht“ benutzen. Damit meinen sie eine Art natürliche, autoritäre Ausstrahlung, die als Grundlage gilt, um der gesellschaftlichen Stellung und dem Platz in der Rangordnung gerecht zu werden. Abgesehen davon gilt schon allein der schmerzhafte Vorgang des Tätowierens als Prüfung, um die Stärke des jungen Mannes zu beweisen.

Da die Tätowierung also ein explizites Symbol für einen erwachsenen Mann ist, wäre die Tätowierung eines Kindes für die Samoaner eine sehr befremdliche und abartige Sache. Auch das Symbol einer Schlange ist eines, was in der Samoanischen Tätowier-Tradition nicht vorkommt, was den Samoanern heutzutage jedoch als biblisches Symbol für den Teufel bekannt ist.

 Glauben in Samoa

Bevor die Kolonialherren aus Europa das Christentum nach Samoa brachten, war die Religiösität der Samoaner nicht besonders ausgeprägt. Zwar gab es durchaus Legenden von einem Gott, der die Welt erschaffen hat und von einer Reihe von Halbgöttern (z.B. einem, der das Feuer brachte, einem, der die Menschen lehrte, Kanus zu bauen und dann noch von dem ein oder anderen, der sich mit der Kriegsführung auskannte). Regional waren diese Legenden in der Regel mit den Familiengeschichten verknüpft, so dass sich manche hochrangige Matais darauf berufen konnten, von diesen Halbgöttern abzustammen. Aber es gab keine Religion, die auf Samoa praktiziert wurde: Keine Priester, keine Tempel und gebetet wurde auch nicht. Sämtliche Vorstellungen beruhten jeweils auf regionalen Legenden, die im jeweiligen Dorf mündlich überliefert wurden. Aber im Alltag spielte Religion keine Rolle: Das Wesen des Erschaffergottes war es, dass er sich nicht für die Menschen interessierte. Also interessierten sich die Menschen auch nicht im besonderen Maß für den Gott. Wenn, dann waren es eher die Ahnen, die geachtet wurden und deren Ruheorte, die beispielsweise nicht gestört werden durften. Aber auch das hatte mehr mit Achtung als mit Religion zu tun.

Ein weiteres Phänomen, das in den Legenden vorkam, waren Geister, tote Menschen, die den noch Lebenden Schwierigkeiten bereiteten. Aber auch dies waren nur Vorstellungen aus einer längst vergangenen Zeit und hatten auf die Gegenwart keinen Einfluss.

Entsprechend stieß die Christianisierung auf keinen Widerstand und der christliche Glaube fand schnell Gefallen bei den Samoanern: Ein Gott, der sich um die Menschen kümmerte und sorgte – so jemand war durchaus gern gesehen.

Heutzutage sind die Samoaner begeisterte Christen und es finden sich zahlreiche Kirchen in Samoa. Allerdings gibt es auch viele verschiedene christliche Unterreligionen und die Samoaner waren allerorts recht freizügig darin, sich die christliche Religion an ihre örtlichen Gegebenheiten anzupassen. So werden zum Beispiel die alten Wörter für Götter und Geister weiter genutzt und jetzt aufs Christentum angewandt. „Atua“ bedeutet Gott und „Aitus“ sind Geister bzw. Teufel.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *